Unheiliges Spanien – Olé


Prinz Felipe und Prinzessin Letizia von Spanien empfangen Papst Benedikt XVI. am Flughafen von Santiago de Compostela

Im Wallfahrtsort Santiago de Compostela herrschte am vergangenen Sonnabend dichter Nebel. Der Alitalia-Airbus-320 mit Papst Benedikt XVI. an Bord setzte im Blindflug hart auf. Der Heilige Vater landete unsanft in Spanien. Aber nicht nur wegen des Wetters. Denn noch ehe er den Boden zu seiner zweitägigen Visite zur Weihe von Barcelonas weltberühmter Sühne-Kirche »Sagrada Familia« betrat, hatte das Oberhaupt der katholischen Kirche schon Geschichte und Gegenwart des Gastlandes mit einem düster Vergleich bedacht.

Von Christian Schmidt-HäuerZEIT ONLINE

Der Glaube, so hatte sich Benedikt beim Anflug gegenüber dem Journalistentross ausgelassen, sei in Spanien einem aggressiven Säkularismus ausgesetzt, »so wie wir ihn schon in den 1930ern sahen«.

Was der Papst zum Vergleich mit der heutigen Gesellschaft heraufbeschwor, waren die Jahre der Spanischen Republik von 1931 bis 1936 und der Beginn des Bürgerkriegs, ausgelöst von einem Militärputsch nationalistischer Kräfte. In der hasserfüllten antiklerikalen Stimmung dieser Jahre zündeten republikanische Meuten Kirchen an und ermordeten Tausende von Nonnen und Priestern. Der Klerus, aggressiv und dem Blutvergießen kaum weniger abhold, diente dem faschistischen Franco-Staat ergeben im Rahmen des sogenannten Nationalkatholizismus. »Noch heute graben wir die republikanischen Opfer dieses Regimes aus«, empört sich eine katalanische Freundin aus alten Tagen. »Wie kann ausgerechnet ein deutscher Papst so einseitig reden beim Besuch Barcelonas, wo wir und unsere katalanische Sprache von der klerikal-faschistischen Herrschaft bis zu ihrem Ende 1975 unterdrückt wurden. Wo ich als junges Mädchen wegen meiner Muttersprache von regimetreuen Passanten auf Spanisch angeherrscht wurde: ›Sprich christlich, Kind!‹«

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1 Comment

  1. Dieser Papst hat doch erwiesenermaßen ein völlig einseitiges, verqueres Geschichtsbild. Die Massaker an Nonnen, Mönchen und Priestern während des Spanischen Bürgerkrieges sollen nicht entschuldigt werden, aber die Ursachen und Auslöser, die zu diesen Bluttaten führten, sollte man nicht verdrängen und verschweigen. Es war eine Clique spanischer Generäle, die gegen die vom Volk gewählte Regierung putschten und den Bürgerkrieg vom Zaune brachen. Auf deren Seite stand nun mal der spanische Klerus, der dann den Zorn und die Wut des Volkes zu spüren bekam. Keine Wirkung ohne vorangegangene Ursache. Dass italienische Faschisten, die sog. Schwarzhemden, während des Bürgerkrieges eine blutige Spur bei der spanischen Zivilbevölkerung hinterlassen haben, hat der Papst nicht erwähnt. Mussolinis Soldateska hat sich in diesem Krieg beispielloser Verbrechen schuldig gemacht, die nie gesühnt wurden. Über diese Opfern hat der Papst leider kein Wort verloren.

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