Der unheilige Schein


Der Papst hat das Kondomverbot gelockert. Zugleich bringt der schwule Theologe David Berger den Vatikan mit einem Bekenntnisbuch „Der heilige Schein“ in die Bredouille.

Von Christian GeyerFAZ.NET

Die päpstliche Lockerung des Kondom-Verbots „in begründeten Einzelfällen“, mit unbewegter Miene vom „Tagesthemen“-Sprecher vorgetragen, ist nicht die Kuriosität, als die sie auf den ersten Blick erscheint. Im Westen mag es längst nur noch um Erdbeer- oder Himbeergeschmack gehen statt um das Präservativ als theologisches Problem. Aber niemand weiß genau, wie viele Menschenleben eine religiös motivierte, von Rom autorisierte Ächtung des Präservativs in den Ländern der Dritten Welt bisher schon gefordert hat. Man lese dazu das vor drei Jahren erschienene, von Bartholomäus Grill und Stefan Hippler verfasste Buch „Gott, Aids, Afrika“, ein auch an Benedikt XVI. gerichteter Appell, der Vatikan möge durch seine offizielle Kondom-Doktrin nicht länger den Kampf gegen Aids in Afrika blockieren.

Dass der Papst nun ausdrücklich „männliche Prostituierte“ als Beispiel für begründete Ausnahmen vom Kondom-Verbot anführt, wirft einerseits die Frage auf, ob im Vatikan Aids noch immer auf ein Homosexuellen-Problem verkürzt wird, statt es zugleich als Risiko auch für den heterosexuellen Verkehr zu sehen. Andererseits ist das Angewiesensein auf männliche Prostituierte eine der spezifischen Folgen, die sich aus dem generellen Verdikt praktizierter Homosexualität zumal für kirchliche Bedienstete ergeben. So entnimmt man es dem morgen erscheinenden Buch „Der heilige Schein. Als schwuler Theologe in der katholischen Kirche“, in dem David Berger seine Erfahrungen mit dem Katz-und-Maus-Spiel um schwule Kleriker bilanziert, die er während seiner Blitzkarriere im traditionalistischen Kirchenmilieu gemacht hat.

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