Kirchen als Touristenattraktion


Viele Menschen betrachten die Kirche nicht als Gotteshaus, sondern als Sehenswürdigkeit. In manche Kirchen kommen weit mehr Touristen als Gottesdienstbesucher. Die Pfarrer könnten sich darüber freuen, dass es so viele Besucher gibt. Doch lassen diese sich auch für Gott begeistern?

Von Josefine JanertDeutschlandradio Kultur

Vor der Frauenkirche in Dresden treffen sich Touristen. Ein Paar beugt sich über einen Reiseführer. Ein junger Mann fummelt an seiner Kamera herum. Rund 10 Millionen Menschen haben das Bauwerk seit seiner Wiedereinweihung im Jahr 2005 besichtigt.

Christoph Wetzel: „Liebe Gäste der Frauenkirche! Wir laden Sie ein, kurz inne zu halten und Platz zu nehmen …“

Auch jetzt sitzen Besucher in den Bänken oder schlendern herum, bewundern architektonische Details. Christoph Wetzel ist auf die Kanzel gestiegen, ein hagerer, älterer Herr mit Brille. Der pensionierte Pfarrer ist einer der vielen ehrenamtlichen Kirchenführer. Seine Stimme übertönt das Gemurmel, das schnell verebbt.

Christoph Wetzel: „Wir wollen einen Augenblick der Andacht, Besinnung, des Insichgehens halten.“

Die Frauenkirche ist weltbekannt. Weil sie im Februar 1945 in Schutt und Asche fiel. Weil sie dank des großartigen Einsatzes der Dresdner wieder aufgebaut wurde. Weil sie heute so wunderschön ist – und ein Mahnmal gegen den Krieg. Es gibt viele Gründe, die Frauenkirche zu besuchen. Wollen sich die Besucher auch auf das Spirituelle einlassen? Christoph Wetzel sagt nach der Führung:

„Ich war ursprünglich ein Gegner des Wiederaufbaus. Und erst im Verlauf der Ereignisse, wie diese Zustimmung und das Engagement immer stärker wurde, hab ich darin auch einen Sinn gesehen. Dass Menschen aller Kulturen, aller Religionen in diesem Gotteshaus etwas Besonderes erleben. Das wird nicht das sein, dass sie hier gleich Christen werden, aber man kann ja auch an Gottesdiensten teilnehmen. Wir haben jeden Tag zwei Andachten, wo das Christliche ganz besonders herauskommt. Aber auch sonst – die Kirche ist eigentlich für alle Menschen offen und soll das, was da zu sehen ist, was da an Stimmung rüberkommt, das soll den Menschen gut tun.“

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4 Comments

  1. „Aber die sind ja so schlecht beheizt…“
    Liegt wohl am Raumdesign mit den hohen Decken. Wenn soviel Wärme reingepumpt wird, dass es unten angenehm warm ist, würde man unter der Kuppel gebraten. Und den Deckenfresken bekäme das auch nicht so gut.

    Ich schaue mir Kirchen ganz gern im Sommer an,wobei mir allerdings nicht ganz klar ist, welches Ergebnis bei den Andachten da drin herauskommen soll. Ich denke da immer an riesige Schatzkammern aus denen der Prunk finanziert wurde, danach an die malerische und architektonische Kunst, die dadurch ermöglicht wurde. ^.^

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  2. Das haben sie jetzt davon das sie die Kirchen für „Götter“ gebaut haben und nicht für Menschen. Da geht jetz hauptsächlich der „Gott“ rein, Menschen immer seltener. Abriß wird wohl für die meisten dieser Bauten unvermeidlich.

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  3. Ich würde ja im Winter gerne wieder mal in eine Kirche gehen, nur um mich aufzuwärmen. Aber die sind ja so schlecht beheizt, dass ich lieber gar nicht erst hineingehe. Und so geschah es, dass ich eben Atheist geworden bin.

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