Der Mensch und andere Tiere


Die Kulturgeschichte des Okzidents kann als mühsamer Prozess der Demystifikation und Emanzipation beschrieben werden, der die christlich fundierte zentrale Stellung des Menschen innerhalb der Schöpfung sukzessive korrigiert und relativiert hat. Läutete bereits Kopernikus’ Vorschlag, das überkommene geozentrische zugunsten eines heliozentrischen Weltbildes aufzugeben, den Niedergang der anthropozentrischen Hegemonie ein, so vollendete Charles Darwin drei Jahrhunderte später die Entmythisierung des homo sapiens sapiens, indem er seine Abstammung von tierischen Vorfahren nachwies. Er lieferte gewissermaßen die „naturwissenschaftliche Bestätigung einer empirischen Gleichheit von Mensch und Tier“, die als Doxa den biowissenschaftlichen Diskurs bis in unsere Tage dominiert. Dabei liegt die Gefahr dieses Dogmas nicht unbedingt in einem potenziellen Angriff auf den in der Philosophie viel diskutierten Kultur-Natur-Dualismus. Gefährlich wird eine derartige These dann, wenn sie übersieht, „daß die alltägliche Unterscheidung von Mensch und Tier selbst eine hervorragende Aufklärungsleistung ist“.

Von Walter Wagner

Selbst wenn sich eine derartige wissenschaftlich sanktionierte Annäherung positiv auf das prekäre ethische Mensch-Tier-Verhältnis auswirkt, bleibt, wie Janich betont, Folgendes zu bedenken: „Was Verantwortung angeht, bleibt das Tier, im Unterschied zum Menschen, stets ein Naturgegenstand.“ Mitglieder anderer Spezies werden demnach nie den Status juristischer Subjekte innehaben können und von daher auch nie Rechte einfordern können beziehungsweise Pflichten einhalten müssen. Fragen von Recht und Moral sind in dieser Perspektive stets als genuin menschlich zu betrachten und zementieren trotz aller physiologischen und genetischen Ähnlichkeiten die Sonderstellung des Menschen. Beide, Tier und Mensch, werden einander also nie ‚in Augenhöhe‘ begegnen können, wiewohl diesbezügliche Forderungen von radikalen Tierschützern und Tierphilosophen verschiedentlich vorgetragen worden sind.

Janich führt solche argumentativen Verirrungen auf zwei antagonistische Aufklärungstraditionen zurück, die sowohl die Entmythisierung des Menschen als auch der Natur betreiben. Erstere Tendenz dekonstruiert auf Basis der Evolutionstheorie religiöse Schöpfungsmythen und spirituell überhöhte Bilder vom Menschen und zielt auf dessen „Vertierlichung“ ab. Zweitere hingegen betont anthropomorphe Charakteristika und Verhaltensweisen bei Tieren im Sinne einer „Vermenschlichung“. In diesen Konflikt schaltet sich der Autor und Philosoph mit seinem Essay „Der Mensch und andere Tiere“ klärend und zugleich vermittelnd ein.

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1 Comment

  1. Dieser Philosoph und Autor Peter Janich ist nichts weiter als ein von sich selbst überzeugter, eingebildeter und fragwürdiger „Schreiberling“, der mit seinen hanebüchenen Thesen beabsichtigt und jedermann glauben machen will, der Mensch sei angeblich das absolute Maß der Dinge auf diesem Planeten. Alles andere was die Natur in Jahrmillionen hervorgebracht hat, ist für ihn anscheinend im übertragenen Sinne nicht mehr als nebensächlich.

    Er missachtet dabei vollkommen, dass gerade der Mensch als Säugetier lediglich eine reine Laune der Natur ist und bewiesenermaßen seine Existenz nur durch das Eintreten von zahlreichen Zufällen im Laufe der Evolution verdankt .

    Und ob letztendlich der Mensch gegenüber dem Tier einen wirklichen Nutzen und Segen für diesen Planeten darstellt, ist doch eher als äußerst zweifelhaft zu beurteilen – beantworten wird dies zu gegebener Zeit die Natur selbst.

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