Aus dem Gottes-Labor


Geistlicher und Forscher: Sebastian Kneipp Foto: AKG Pressebild

Eckart Roloff über ein wenig beachtetes Kapitel unserer Geistes- und Bildungsgeschichte
Das Verhältnis von Wissenschaft und Religion war in der Geschichte oftmals komplizierter als landläufig angenommen. Zwar haben sich einerseits viele Theologen den Innovationen der Wissenschaft verweigert. Andere jedoch, so ist in einem Buch jetzt nachzulesen, wurden selbst zu wichtigen Trägern des Erkenntnisfortschritts.

Von Martin KochND

»Wie schad, dass ich kein Pfaffe bin./ Das wäre so mein Fach./ Ich bummelte durchs Leben hin/ Und dächt‘ nicht weiter nach.« So beschrieb einst Wilhelm Busch das, wie er meinte, beschauliche Leben der berufenen Diener Gottes. Ganz falsch lag er damit sicher nicht. Denn statt selbst den schweren Weg der Erkenntnis zu gehen, folgten viele Priester lieber den offiziellen Verlautbarungen ihrer Kirche, die häufig darauf zielten, den Erkenntnisdrang von Wissenschaftlern zu behindern oder gar zu sanktionieren. Das alles ist hinlänglich bekannt und soll – Stichwort Galileo Galilei – hier nicht weiter ausgeführt werden.

Was hingegen mehr Aufmerksamkeit verdient, ist die Tatsache, dass auch unter den Entdeckern und Erfindern zahlreiche Männer im Priestergewand waren. Zu den Bekanntesten zählt zweifellos der katholische Pfarrer Sebastian Kneipp (1821-1897), der Menschen ohne medikamentöse Behandlung mit Wasseranwendungen zu heilen versuchte. Und der einmal erklärte: »Ich lobe den Fortschritt in vielen Wissenschaften und freue mich desselben.« Diese Freude teilte Kneipp mit anderen Priestern, von denen allerdings nur wenige das Glück hatten, deswegen in die Geschichtsbücher einzugehen. In seinem kenntnisreich geschriebenen Buch »Göttliche Geistesblitze« stellt der Bonner Soziologe und ND-Autor Eckart Roloff jetzt einige dieser kreativen Kirchenmänner vor, die gleichsam eine Tradition fortführten, die weit entfernt war vom eifernden religiösen Dogmatismus des 16. und 17. Jahrhunderts.

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