Biodiversitygate?


artenschutz.ch

Von Wolfgang CramerVielfalter-Blog

Nun ist es genau ein Jahr her, dass ein medialer Sturm losbrach, als Folge des Diebstahls von Tausenden E-Mails aus dem Archiv der Climatic Research Unit (CRU) der Universität of East Anglia, in Norwich, United Kingdom. Der Begriff “Climategate” war schnell geprägt und viele Menschen begannen zu fragen, ob in der Klimawirkungsforschung alle Regeln der guten wissenschaftlichen Praxis befolgt worden waren – oder aber ob vielleicht die negativen Folgen des menschengeschaffenen Klimawandels doch übertrieben worden waren. Mehrere seriöse Untersuchungen wurden zwischenzeitlich angestellt – keine ergab das von vielen “Klimazweiflern” erhoffte Ergebnis. Den Beteiligten konnte zwar in ihrer privaten Korrespondenz ein zeitweise lockerer Sprachgebrauch nachgewiesen werden, nicht aber ein wissenschaftliches Fehlverhalten. Insbesondere ergaben alle Überprüfungen der Fakten (z.B. durch die amerikanische Umweltbehörde EPA), dass der menschengeschaffene Klimawandel weiterhin, und in zunehmendem Maße, ein sehr reales Problem für die Menschheit darstellt.

Was lernen wir aus dieser Situation für die Biodiversitätsdebatte?

Erstens, die Intensität der Klimadebatte ist auch ein Indikator für die Wahrnehmung des Themas in der Gesellschaft. Meine Kinder lernen inzwischen in der Schule, dass sie auf das Klima acht geben müssen und beinahe niemand fliegt mehr in den Urlaub ohne sich zumindest verbal für die damit verbundenen Treibhausgasemissionen zu entschuldigen. Steht die vergleichsweise geringe Intensität der Biodiversitätsdebatte im “angemessenen” Verhältnis dazu? Ich kann das weder im Biologie- noch im Sachkundeunterricht meiner Kinder beobachten.

Zweitens, der Streit um die Klimawissenschaft handelt heutzutage keinesfalls nur davon, wie angesichts der Krise zu handeln ist – er wirft auch das Licht der Öffentlichkeit tief in die Methoden der wissenschaftlichen Forschung. Das hat sein Gutes, denn nur eine öffentliche Forschung kann darauf hoffen, dass ihre Ergebnisse tatsächlich wahrgenommen werden und evtl. sogar zur Grundlage besserer Entscheidungen des Einzelnen und der Politik werden. Zu solcher Kommunikation gehört auch immer kritisches Durchleuchten, das Aufdecken von Schwachpunkten, und das Zuhören der Wissenschaft gegenüber Fragen aus der Öffentlichkeit.

weiterlesen