Manfred Lütz: Dodo des Monats November 2010


Dodo des Monat November 2010

Gott ist lustig, so jedenfalls will es der schriftstellernde theologische Mediziner Manfred Lütz der Welt erklären. Nebenbei befindet er sich in einem ständigen Kreuzzug gegen die Ungläubigen. Als Mitglied des Direktoriums der päpstlichen Akademie für das Leben muss er das wohl. Eloquent, witzig und durchaus publikumswirksam verkauft er die Botschaft des Herrn. Ist auch gut für seine Bücher, treibt die Auflagen in die Höhe.

Als Religiopath erklärt er den Gläubigen die Symptome dieser Welt, die durch Ungläubige verunreinigt wird. Wir behandeln die Irren, das Problem sind aber die Normalen, so sein Credo für die materielle Welt.

Die Kirchenkrise, Christentumskrise, Gotteskrise schmerzen ihn, seinen geliebten Heiland sieht er verunglimpft. Den Atheisten darf es nicht besser gehen, sie sind Bestandteil seines Religionssadismus. Den Unglauben sieht er in einer fundamentalistischen-fanatischen Form. Da haben wir sie wieder die moralischen Urteile eines amoralischen Glaubenskriegers. Das moralische Korrektiv katholische Kirche hat versagt, Homosexualität, Pädophilie, dunkle Finanzgebaren und Verschleierung der Wahrheit, bis hin zum Auftragsmord.

All das gibt es natürlich auch in der „normalen“ Welt, mit einem Unterschied, niemand dort beansprucht für sich göttliche Reinheit, Moral die über den Dingen steht, kein moralisierender Zeigfinger in allem und in jedem. Das moralische Korrektiv katholische Kirche ist in der Realität aufgeschlagen. Wer seine eigenen Untertanen vögelt muss sich nicht wundern, wenn sie davon fliegen. Als Facharzt für Nervenheilkunde, Psychiatrie und Psychotherapie bietet der Herr Lütz gute Voraussetzungen die Irren der katholischen Zunft zu behandeln.

Mit seiner eitlen Arroganz, Ungläubige sind per se unwissend, dabei haben Studien in den USA bewiesen, dass genau jene eben besser über Religionen Bescheid wissen, als ihre Protagonisten, formuliert er denn auch:

Und der Kirchenprotest ist in einigen wenigen immer wiederkehrenden Leerformeln erstarrt, wobei man den wackeren Kirchengegner zumeist schon aus der Fassung bringen kann, indem man ihn ganz harmlos fragt, was das eigentlich genau sei, gegen das er da so tapfer rebelliere, ob er wisse, seit wann und warum es den Zölibat eigentlich gebe, was der Sinn der katholischen Sexualmoral sei, was die Unfehlbarkeit des Papstes in der Praxis bedeute und warum eine gewisse Form der Demokratie in der Kirche ein Problem sein könnte.

Zölibateres Leben ist unnatürlich, es muss zwangsläufig zu Fehlentwicklungen der Person kommen, hat der Priester eben keine Haushälterin zur Hand, die sich als Spermatoilette eignet, nimmt man  Kinder. Und Undemokraten, Diktatoren sollten der Welt nicht die Demokratie erläutern, schon gar nicht wenn man sich auf einer Stufe mit Gaddafi oder den nordkoreanischen Machthabern befindet.

Dawkins dilettiert nach Auffassung des Herrn in Philosophie, auffällig bei Lütz ist, dass all jene die nicht seiner göttlichen Überzeugung huldigen dilettieren, so wirft er Herrn Drewermann wissenschaftlichen Dilettantismus vor. Drewermann hatte immerhin den Mut aus der römisch-katholischen Kirche auszutreten, im zarten Alter von 65, aber immerhin, ein großer und mutiger Schritt für einen katholischen Theologen und völlig egal, wie man zu Drewermann steht.

Ähnlich dem Papst bringt er Pop-Art-Kultur in die Debatte, sich in der Aufmersamkeit des Publikums suhlend, frönt er seiner Eitelkeit in einem Umfang die schon sündhaft erscheint. Aber gut-katholisch geht es dann zur Beichte, alles vergeben und vergessen, bis zum nächsten Mal.

Dawkins mag nun nicht der große Philosoph sein, den Herr Lütz im Theologen Spaemann sieht, dafür ist es Dawkins aber wie keinem anderen gelungen naturwissenschaftliche Sachverhalte allgemein verständlich aufzubereiten und zu vermitteln. Sein „rocking the boat“ kommt an, je höher die Quietsch-Töne religiöser Institutionen sind, ums so deutlicher sind die Treffer. Es wäre nun wirklich ein Wunder, wenn die Kirchenvertreter und ihre Apologeten nicht im Zorne reagieren würden.

In dem Sinne Herr Lütz, herlichen Glückwunsch zum Dodo des Monats und noch einen Tipp, haben Sie Mut zur Glatze.

4 Comments

  1. 1. Statt sollte es eigentlich „päpstliche Akademie für das Labern“ heissen.

    Was mir am Artikel nicht gefällt: Die Aussage „Zölibateres Leben ist unnatürlich, es muss zwangsläufig zu Fehlentwicklungen der Person kommen“ ist undifferenziert.
    Erstens gibt es einen kleinen Prozentsatz Asexueller, denen diese Lebensform durchaus gefallen kann, zweitens muss es nicht zwangsläufig zu Persönlichkeitsstörungen kommen. Da spielen noch viele andere Faktoren mit.

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    1. Markus Graber

      Erstens gibt es einen kleinen Prozentsatz Asexueller, denen diese Lebensform durchaus gefallen kann, zweitens muss es nicht zwangsläufig zu Persönlichkeitsstörungen kommen.

      Erstens sehe ich auch so, zweiten ist zu bemerken, dass Sexualität Audruck eines Bedürfnisses ist, ähnlich wie wir essen und trinken müssen. Es gehört einfach zum Leben. Wer natürliche Bedürfnisse unterdrückt, auf Dauer unter Zwang, wird sich verändern.

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  2. herzlichen glückwunsch lütz 🙂

    würde mich ja gerne weiter äußern, muss aber noch ein wenig die welt durch meinen unglauben an das christenmärchen verunreinigen.

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