Warum Religion glücklich macht


Ganze Regale lassen sich mit einschlägiger Literatur zum Thema Glück füllen. Die Formeln, Strategien oder Verhaltensweisen, die die Ratgeber predigen, sollen dem Leser dauerhaft zu mehr Freude am Leben verhelfen. Wissenschaftlich belegt ist wenig davon – das Glück ist leider ein höchst launischer Geselle. Selbst wer im Lotto gewonnen hat, erlebt meist nur eine vorübergehende Steigerung des subjektiven Glücksempfindens.

Von Matthias Gräbnertp

Keine Studien muss man allerdings darüber anfertigen, dass sich manche Menschen im Mittel besser fühlen als andere – und es einer Minderheit deutlich schlechter geht als dem Durchschnitt. Zu den Faktoren, von denen man weiß, dass sie das individuelle Glücksempfinden beeinflussen, gehört zum Beispiel die Umgebung. Aus den Daten der Framingham-Herzstudie ließ sich herauslesen, dass Glück ansteckend ist – wer vor allem mit positiv gestimmten Menschen zu tun hat, kann sich dem guten Gefühl auch selbst kaum widersetzen.

Geld hingegen, weiß schon das Sprichwort, macht nicht glücklich – jedenfalls nicht linear. Finanzielle Mittel verschaffen dann mehr Zufriedenheit, wenn sie ein höheres Maß an Autonomie zur Folge haben. Die Möglichkeit, nach eigener Façon selig zu werden, ist dem Menschen viel wert. Ebenso wichtig ist Kompetenz: Das Gefühl, das eigene Leben zu steuern, das, was man tut, in guter Qualität zu absolvieren. Und schließlich liegt uns als sozialen Wesen anscheinend viel an Verbundenheit – die Möglichkeit, anderen Menschen auf verschiedenen Ebenen nahe zu sein.

Die Religion, der Glaube, scheint unter diese Faktoren nur schlecht zu passen. Und doch gibt es viele einschlägige Studien, die religiösen Menschen einen höheren Grad ihres persönlichen Glücksempfindens bescheinigen. Ist es das Vertrauen in einen Gott, der den Glaubenden nicht fallen lassen wird, oder vielleicht doch eher die Verheißung eines Paradieses, das alle irdischen Sorgen hinter sich lässt? Womöglich spielten diese Faktoren in der Geschichte eine größere Rolle als heute.

Denn wie amerikanische Soziologen in einer Studie im American Sociological Review zeigen, kommt die positive Wirkung der Religion aus einer anderen Richtung. Die Forscher haben dazu Daten der „Faith Matters“-Studie ausgewertet, einer repräsentativen Befragung in den USA, die 2006 und 2007 stattfand.

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4 Comments

  1. „Das Gefühl, das eigene Leben zu steuern, das, was man tut, in guter Qualität zu absolvieren.“
    Naja, Religion kann auch die Illusion geben, dass man alles richtig macht und dadurch sein Leben steuert (da vorschriftsmässiges Leben, gepaart mit Beten zur Erlösung führt).

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  2. Möglicherweise ist es ein Problem der Erhebungsmethodik.

    Wußte man zwar schon in den 70ern, aber noch immer nimmt man es ungern zur Kenntnis: Bfragungen erheben „meanings“, nicht „values“.

    Die Ergebnisse als „values“ auszugeben ist dann eigentlich schon Fälschung.

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  3. Erst wenn man auf Telepolis den ganzen Artikel gelesen hat, kommt man drauf, was denn da empirisch dahinter stecken könnte. Hat also Greg Ebstein, der Harvard Prof und „humanist community“ Pionier etwa doch recht? Leben die allzu individualistischen, selten feste Gruppen bildenden Atheisten im Durchschnitt „glücksfern“? Provokative Frage.

    Den sogenannten Glauben habe jedenfalls ich immer als ritualistisch verbrämte Ödnis, niemals als Glück bringend erlebt.

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