Der Glaube als Zweifrontenkrieg


Leichte Unschärfen in der Argumentation: Matthias Matussek wünscht sich ein kämpferisches Christentum. Fotos: Bernd Buchner

Wie viel Kulturpessimismus darf es sein? „Die Zeichen der Zeit stehen gegen den Glauben“, so Matthias Matussek. Ohne das Religiöse gehe es aber nicht. So drischt der papsttreue „Spiegel“-Mann fröhlich auf alles ein, was ihm nicht in den Kram passt: zum Beispiel Islam, Medienbranche, Protestanten.

Von Bernd Buchnerevangelisch.de

Wenn sich der Vater seinen Berufswunsch erfüllt hätte, wäre Matthias Matussek nie geboren: Statt katholischer Priester wurde er CDU-Kommunalpolitiker, ging zum Rednerpult statt auf die Kanzel. „Er hat nie aufgehört zu predigen“, sagt der heute 56-Jährige augenzwinkernd über seinen Erzeuger. Dem Sohn liegt die Eigenschaft nicht ganz fern. Aber die salbungsvolle Ansprache ist nicht der Stil des Ex-„Spiegel“-Kulturchefs, der seinen Posten wegen schlechter Umgangsformen verlor und nun für „Spiegel Online“ und als Buchautor arbeitet. Was Matussek über den Glauben in Deutschland sagt, ist knackig, kantig und anstößig.

Überzeugen konnten sich davon die Zuhörer der Frankfurter „Domgespräche“, zu denen der neue „Focus“-Chef Wolfram Weimer am Dienstagabend erstmals eingeladen hatte. Das Thema, schön sarrazinesk formuliert: „Ist Deutschland noch christlich?“ Natürlich eine Steilvorlage für Matussek, der den Glauben in einen „Zweifrontenkrieg“ verstrickt sieht. Auf der einen Seite dräut der Islam, dessen religiöser Intensität die Christen nichts mehr entgegenzusetzen hätten. Die andere Front ist für den „Spiegel“-Mann der wissenschaftliche Atheismus, der sich in der „Bestsellerei“ eines Richard Dawkins oder Christopher Hitchens äußert und einen „Großangriff auf das religiöse Gefühl“ gestartet hat.

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3 Comments

  1. „Die Medien benutzten die Missbrauchsdebatte in der katholischen Kirche, „um eine angestaute Aggressivität loszuwerden.“

    naja, verschweigen tun die gesellen der kirchen schon selber.

    aber dann gibt es auch noch diese kitschtriefenden und verfälschenden darstellungen vin religion in sendungen wie chi-rho… nicht gerade kirchenfeindlich.

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  2. Mit Mattusek wird das wohl ein lustiger „Zweifrontenkrieg“. Der Atheismus gibt dem Christentum und dem Islam dauernd watschen, ab und zu geben sich aber auch Christentum und Islam gegenseitig eine Watsche.

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  3. krieg ist für diese Religiösen doch immer irgendwie.
    Zuerst hat das Christentum die Konkurrenz unter der eigenen Flagge bekämpft. Seit sich das nicht mehr schickt, findet man andere Feindbilder.
    man hat sie halt nötig.

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