Christliche Säkularität


Quelle: opusdei.ch

Professor aus Rom ruft in Münchner „Haus Weidenau“ zum politischen Engagement kirchlich loyaler Bürger auf – Überzeugte Katholiken könnten mit Andersdenkenden auf konstruktive Weise kooperieren

KATH.NET

Kann ein Katholik, der seinen Glauben konsequent mitten in der Welt leben möchte, dem säkularisierten, religiös neutralen Staat aus ganzem Herzen zustimmen? Diese Frage bejahte Prof. Martin Rhonheimer von der „Päpstlichen Universität Santa Croce“ in Rom bei einem Gesprächsabend im Münchner „Haus Weidenau“ vom Opus Dei mit Hinweis auf Texte des Zweiten Vatikanischen Konzils. Er plädierte dafür, dass der Christ das Bürger-Sein im säkularen Staat „als positive Herausforderung, ja geradezu als Normalität“ begreifen sollte und bezeichnete dieses Ideal als „christliche Säkularität“. Der Pluralismus im öffentlichen Leben solle nicht als lästiges Ärgernis oder gar als Skandal empfunden werden, sondern als Ergebnis bürgerlicher Freiheit. „Die Freiheit ist ein Risiko. Aber ich glaube an die Freiheit. Denn die Geschichte hat gezeigt: Wenn man Angst hatte vor der Freiheit durch Zensur, Repressionen oder Diskriminierungen waren am Schluss die Früchte bittere Früchte“, betonte der Referent.

Überzeugte Katholiken könnten mit Andersdenkenden auf konstruktive Weise kooperieren und das säkulare Selbstverständnis moderner demokratischer Staatsbürgerschaft sowie die Legitimität politischer Entscheidungen anerkennen, auch wenn sie „den eigenen Überzeugungen hinsichtlich des Guten widersprechen“. Aber sie sollten auch fähig sein, im Gegensatz zu ihren nicht-gläubigen Mitbürgern ihre christliche Berufung in einer „differenzierten Identität zugleich als gläubige Christen und als Bürger des säkularen Staates zu leben“.

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