Kirche im Dauerkonflikt


Blick auf Brno in der Tschechischen Republik (Bild: Stock.XCHNG / Jan Zabroda)

In keinem Land in Europa hat die Kirche einen so schweren Stand wie in Tschechien. Nur rund 20 Prozent der Tschechen bekennen sich zum Katholizismus, und die Mitglieder der anderen Religionsgemeinschaften sind kaum messbar. Auch ist das Land bis heute das einzige im früheren Ostblock, in dem die Restitution der Kirchengüter immer noch ungeklärt ist. Seit 20 Jahren streitet sich die Kirche – auch vor höchsten Gerichten – um eine Rückgabe ihrer Besitztümer.

Von Kilian KirchgeßnerDeutschlandfunk

Denn die Kommunisten hatten beinahe alles kirchliche Eigentum verstaatlicht, die Klöster wurden aufgelöst und die Ordensleute in sogenannte Konzentrationsklöster verschleppt. Auch wenn das schon Jahrzehnte zurückliegt, hat es die Institution in Tschechien immer noch schwer.

Ein Dominikaner-Kloster in der Prager Altstadt, über dem Saal wölbt sich eine prächtige Stuckdecke. Auf dem spiegelnden Parkett steht Erzbischof Dominik Duka, umgeben von einer kleinen Festgesellschaft. Ein Empfang zum Jahresende, der oberste Katholik Tschechiens hält eine flammende Rede.

„Wir Christen sind keine Parasiten dieser Gesellschaft, wir unterstützen sie und sie uns gewiss auch. Das ist der einzige Weg in die Zukunft.“

Die „Kirche als Parasit“ – ein Vorwurf, den sich die tschechischen Christen oft anhören müssen. Der Prager Erzbischof hat sich vorgenommen, das zu ändern: Seit wenigen Monaten erst ist er im Amt, und er hat damit eine ganze Reihe von schwierigen Aufgaben geerbt. Vor allem zählt dazu die Versöhnung zwischen Kirche und Staat – Tschechien ist das letzte der postsozialistischen Länder, in dem die Restitutionsfrage noch nicht geklärt ist. In den 50er-Jahren haben die Kommunisten die Kirche enteignet, seit 20 Jahren kämpft die Kirche vergeblich um die Rückgabe ihres einstigen Besitzes. Sie ist so verarmt, dass Kirchengebäude im ganzen Land vor dem Einsturz stehen und dass der Staat bis heute die Gehälter der Geistlichen zahlen muss. Erzbischof Dominik Duka hat die Lösung des Problems zu seiner Priorität erklärt.

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4 Comments

  1. Die Tschechen waren auch vor dem Kommunismus nicht gerade religiös – soll schon seit vor dem 2.Weltrkeig das Land mit der höchsten Atheistenrate Europas sein…

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  2. @ Quax
    Und ich hoffe, daß die Tschechen sich nicht auf irgendwelche Verträge mit dem Vatikan einlassen.
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    Wenn man mit dem Vatikanstaat Verträge abschließen kann, kann man ihm doch auch den Krieg erklären oder ?
    Zumindest sollte man damit drohen so lange bis dieser Staat die Menschenrechte nicht anerkennt und nicht Demokratisch ist.

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  3. Die Restitutionsfrage scheint schon geklärt, nur nicht im Sinne der Kirche. Und ich hoffe, daß die Tschechen sich nicht auf irgendwelche Verträge mit dem Vatikan einlassen. Warum sollte die RKK anders behandelt werden als alle anderen Religionsgemeinschaften.

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