Die abendländische Arroganz


Sprach als einziger Schweizer Politiker vor den Muslimen: Daniel Vischer, Grüner Nationalrat.

Am grössten Muslimtreffen der Schweiz trat der Grüne Daniel Vischer auf. Er kritisierte den Zwang zu Deutschkenntnissen bei Einbürgerungen und forderte die Muslime auf, sich in der Politik einzumischen.

Simon Eppenberger – Tagesanzeiger.ch

In Dietikon sind 1000 Personen zum grössten Muslimtreffen der Schweiz zusammengekommen. Der Grüne Nationalrat Daniel Vischer trat als einziger Nicht-Muslim vor die Menge. Er forderte die Anwesenden auf, sich in der Schweiz zu engagieren. „Mischen sie sich ein, gehen sie in die Politik, in Parteien, treten sie Verbänden und Organisationen bei, engagieren sie sich in einer Gewerkschaft“, sagte Vischer.

Er kritisierte die Haltung jene, die öffentlich „oder noch viel öfter hinter vorgehaltener Hand“ Thilo Sarrazin recht geben, der „abendländischen Arroganz.“ Es sei „rassistisch zu meinen, dass es Ethnien mit besseren Genen als andere gibt“. In seiner über 40-minütigen Rede kritisierte Vischer auch die gängige Einbürgerungspolitik. Der Zwang, dass jeder Einbürgerungswillige Deutsch sprechen müsse, sei in „hunderten Fällen falsch.“ Als Beispiel nannte er die Mutter der Fussballbrüder Yakin. „Wieso soll so jemand, der Jahrzehnte in der Schweiz lebte, Deutsch sprechen müssen? Das ist Schikane“, sagte Vischer.

Schweiz hetzt gegen die Muslime

Der Rapper Ammar 114 aus Deutschland trat vor Vischer auf. Er nahm kein Blatt vor den Mund: „Die Schweiz hetzt gegen Muslime“, sagt er in einem Song. Er kritisiert das Minarettverbot der Eidgenossenschaft als rassistisch und Verletzung der Menschenrechte. Nicht nur die Politiker, auch die Medien seien dem Islam gegenüber negativ eingestellt.

Derzeit hören sie der Rede von Saloua Mohammed zu. Die 28-Jährige ist neben sieben Männern die einzige Frau, die am Grossanlass sprechen darf. „Schwester Saloua“, wie sie von den Veranstaltern vorgestellt wird, trägt wie die meisten der anwesenden Frauen ein Kopftuch. „Ich bin es müde, mich dauernd zu erklären und zu sagen, dass ich nicht unterdrückt bin als Muslima“, sagt die Frau, die in Bonn wohnt und dort Islamwissenschaften studiert.

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