Berlusconi: protegiert von der Kirche


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Von Bettina Gabbe SÜDWEST PRESSE

Während die internationale Öffentlichkeit mit wachsendem Staunen auf Silvio Berlusconis anhaltenden Erfolg blickt, sieht der italienischen Ministerpräsident gelassen dem nächsten Wahlsieg entgegen. Eine Mehrheit der Wähler wünscht ihn weiterhin als Regierungschef, ungeachtet der Skandale um seine Kontakte zu Prostituierten, seine frauenfeindlichen Witze und abfälligen Äußerungen über Homosexuelle und den Mangel an politischen Projekten, die über den Schutz seiner Person vor der Justiz hinausgehen.

Die Irritation ausländischer Beobachter über die trotz schwacher Mehrheit stabile politische Lage speist sich nicht zuletzt aus dem Eindruck, dass der Medienmogul bei weitem nicht die gesamte Presse kontrolliert. Selbst die traditionell regierungsnahe Mailänder Tageszeitung „Corriere della Sera“ spart mittlerweile nicht mit eisigen Kommentaren über den von der gesellschaftlichen Elite seit jeher als Parvenü verachteten Berlusconi.

Doch die Mehrheit der Italiener liest keine Zeitungen, sondern informiert sich einzig über das von der Regierung kontrollierte staatliche Fernsehen und Berlusconis Privatsender. Viele Italiener konnten sich bereits vor der Krise nur mit Hilfe mehrerer Jobs über Wasser halten. Die wirtschaftliche Misere eines wachsenden Bevölkerungsanteils ist im Fernsehen aber ebenso wenig Thema wie Strategien für eine dringend erforderliche Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit der italienischen Wirtschaft.

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