Die Gretchenfrage


James Tissot, Faust und Gretchen, wikipedia

„Nun sag, wie hast du’s mit der Religion? Du bist ein herzlich guter Mann, allein ich glaub, du hältst nicht viel davon.“

– Gretchen

Für Union und FDP ist das Verhältnis zwischen Staat und Kirchen wieder ein Streit-Thema. Beiden geht es dabei um Profilsuche

Liberale wollen das Religiöse ins Private abdrängen, klagen die christlichen Parteien. Für sie ist der Glaube kulturprägend

Von Thomas VitzhumWELT ONLINE

Der Geist weht, wo er will. Zurzeit weht er in Union und FDP – heftig aus verschiedenen Richtungen. Deutlich wie lange nicht bekennen sich CDU und CSU zum „C‘ in ihrem Namen. Und die FDP ihrerseits entdeckt in Kirchenfragen ihr „F“ wieder. Es sind Debatten über das Verhältnis von Staat, Glaube und Kirchen, die bezeichnenderweise von Parteien auf Profilsuche geführt werden. Leichter, als es derzeit mit politischen Inhalten möglich ist, lässt sich damit signalisieren, wo man steht: bei den Konservativen die einen, bei den Freigeistigen die anderen. Oder nicht?

„Uns trägt der Glaube. Er gibt uns Kraft. Er gibt mir Kraft“, sagte Angela Merkel auf dem CDU-Parteitag im November. Ein Zuwenig an Christentum gebe es in diesem Land, nicht ein Zuviel an Islam. Es war ein starkes, so noch nie gehörtes Bekenntnis der CDU-Vorsitzenden. Die CSU will die Staat-Kirchen-Beziehung wieder klar definieren und stärken. Unlängst wurden im Kloster Banz Grundlinien in der Zukunftskommission, einer Art Programmkommission der Partei, verabschiedet. Die Bundesregierung wiederum ist über das Jahr zur „christlich-liberalen“ geworden, von „schwarz-gelb“ will niemand mehr sprechen.

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