Keine frohe Botschaft


Quelle: uwelehnert.de

„Ich habe nie versucht, Menschen ihren Glauben auszureden“

Von CLAUDIUS PRÖSSERtaz

Die Kirche kritisieren viele. Uwe Lehnert reicht das längst nicht mehr. Nach seiner Emeritierung schrieb sich der Pädagoge eine Abrechnung von der Seele: „Warum ich kein Christ sein will“.

taz: Herr Lehnert, haben Sie in der Adventszeit auch mal eine Kerze angezündet?

Uwe Lehnert: Natürlich. Die Kerze ist ja kein christliches Symbol. Und wenn es so wäre, hätte ich kein Problem damit. Wir sind in einer christlich geprägten Kultur groß geworden, die können wir nicht abschütteln ohne Verlust an liebgewordenen Traditionen.

Aber Weihnachten ist für Sie kein Thema, oder?

Das heißt nicht, dass ich Weihnachten nicht feiern würde. Für mich ist es ein Fest des familiären und politischen Friedens, der Besinnung. Ich denke, das gilt inzwischen für die überwiegende Mehrheit unserer Gesellschaft.

Anders formuliert: Sie feiern Weihnachten, aber es hat für Sie keine spirituelle Bedeutung.

Auch das würde ich so nicht stehen lassen. Festtage wie diese verdeutlichen für mich, dass das Leben aus mehr besteht als der rationalen Bewältigung des Alltags. Es gibt ja Fragen, die unser Wissen übersteigen. Ich empfinde an solchen Tagen ein Bedürfnis nach Feierlichkeit, aber sie soll das Gemüt ansprechen, ohne den Verstand zu kränken. Wenn ich mir Predigten in diesen Tagen anhöre, passiert genau das.

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1 Comment

  1. Herr Lehnert spricht mir aus der Seele, wie man so sagt. Meine Ansicht deckt sich in all den Punkten zu 100%.

    Seit ich meinen latenten Glauben vor 10 Jahren auf Anraten eines sehr christlichen Kollegens anfing auf die Probe zu stellen, stellte ich sehr schnell fest, dass ich 30 Jahre zu lange den Verletzungen im Gehirn verhaftet war, die mir von Eltern, Schule und Klerus im Kindesalter durch Indoktrination zugefügt wurden.

    Meine Eltern waren waren leider auch nur Opfer, die in ihrer Zeit weit weniger Möglichkeiten zur Flucht aus dieser Indoktrinationsschleife hatten.

    Übrig bleibt nur eine unmäßige Wut über den Klerus, der dieses dreckige Spiel seit Jahrhundeten erfolgreich spielt um seine Macht zu vergrößern.

    Ich halte mich heute an eine Aussage von Nikos Kazantzakis:
    Ich erhoffe nichts.
    Ich fürchte nichts.
    Ich bin frei.
    Ich bin glücklich. (Meine eigene Erweiterung)

    PS: Ich habe dies auch auf der Referenzseite in der faz.de geschrieben.

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