Lüdemann: Ein veritabler Ketzer


Gerd Lüdemann, Quelle: ND

ND: Herr Professor Lüdemann, seit Mitte der 90er Jahre gelten Sie als veritabler Ketzer. Sie haben in Ihren Büchern die Auferstehung Jesu als »Humbug« und »frommen Wunsch« bezeichnet. Am Heiligen Abend feiern Millionen Menschen die Geburt Jesu. Ebenfalls ein zweifelhaftes Ereignis?
Prof. Lüdemann: Freunde haben mir zwar gesagt, jetzt wirst du auch bald erklären, dass Jesus nie gelebt habe. Aber an seiner historischen Existenz halte ich fest. Wobei es heute weitgehend Konsens ist, dass das Datum des Weihnachtsfestes aus anderen Religionen übernommen wurde und die Weihnachtsgeschichte des Lukas eine fromme Legende ist, die so gut wie nichts mit den tatsächlichen historischen, zeitlichen und lokalen Umständen von Jesu Geburt gemein hat.

ND

Warum diese bis heute andauernde Aufregung in der als liberal geltenden evangelischen Kirche über Ihre Absage an die Auferstehung? Viele protestantische Theologen – so vor Jahrzehnten der prominente Rudolf Bultmann – haben bereits vor Ihnen Zweifel daran öffentlich gemacht.
In der Tat. Allerdings haben Bultmann und andere für sich einen Rettungsweg gefunden, auf dem sie trotzdem Christen bleiben konnten. Sie behaupteten, Jesus sei zwar nicht leiblich auferstanden, aber geistig-geistlich: in die Verkündigung hinein. Ich habe dem widersprochen und erklärt: Wenn er nicht auferstanden ist, wenn sein Leichnam verrottet ist, dann muss man klare Konsequenzen ziehen. Dann können wir keine Christen mehr sein. Das ist der entscheidende Unterschied.

Sie sind also kein Christ mehr?
Nein, ich bin kein Christ mehr. Ich glaube nicht an die Auferstehung Jesu, ich glaube nicht, dass der Wanderprediger aus Galiläa für meine Sünden gestorben ist. Das ist nicht nur meine Meinung, sondern das Ergebnis der historischen Bibelforschung, die sich damit als Totengräberin des christlichen Glaubens erwiesen hat.

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4 Comments

  1. @ Sospetto,

    ja, das sehe ich ebenfalls so. Über die Verflechtungen von Politik und Kirche hat es hier im Blog ja genügend Beiträge und Informationen und solche fragwürdigen Küngeleien – um es ´mal ausnahmsweise vorsichtig zu formulieren – müssen meines Erachtens der Bevölkerung auch in aller Deutlichkeit klar gemacht werden.

    „Die Konkordate müssen schnellstens abgelöst werden!“

    Ich gehe davon aus, dass du auch die Kirchen-Staatsverträge mit den evangelischen Betvereinen damit einbezogen hast.

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  2. @ Homer
    Schöner hätte ich es nicht sagen können. Vielen Dank 😉

    Insbesondere der Bezug auf unsere Politiker ist wichtig. Die Schamlosigkeit mit der unser Säkularstaat von dieser verlogenen Clientel der Volksvertreter mit dem Evangelikalen Operpräsidenten Wulff hier verscheißert wird ist geradezu anmaßend und unverfroren.

    Die Konkordate müssen schnellstens abgelöst werden!

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  3. @ Bürger,

    genau!

    „…Nein, ich bin kein Christ mehr. Ich glaube nicht an die Auferstehung Jesu, ich glaube nicht, dass der Wanderprediger aus Galiläa für meine Sünden gestorben ist.“

    Jawoll! Diesen Satz sollte man erstens an jede Kirchenpforte nageln und zweitens gut sichtbar auch in sämtlichen Parlamenten für die angebliche „politische Klasse“ aufhängen, denn das ist die eigentliche Wahrheit. Ob´s etwas helfen würde, darf natürlich sehr bezweifelt werden, denn es ist ja bekanntlich nichts Neues mehr, dass sich „beide Lager“ im ignorieren so mancher Realitäten in nichts nachstehen. 😯

    Erschreckender ist jedoch vielmehr die Tatsache, dass ein grosser Teil der Menschheit – aus welchen Gründen auch immer – diese Wahrheit anscheinend gar nicht wissen will und absurderweise weiterhin an einem irrationalen Götterglauben festhält – unbegreiflich.

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