Blick in die Kristallkugel


Quelle: wissen.dradio.de

Ein renommierter US-Psychologe glaubt, Anhaltspunkte für paranormale Fähigkeiten gefunden zu haben

Von Jochen PaulusDer Tagesspiegel

Auf einem Computerbildschirm sind zwei geschlossene Vorhänge zu sehen, einer links, einer rechts. Hinter einem erscheint beim Klicken darauf ein erotisches Bild, hinter dem anderen eine nackte Wand. Es gilt natürlich, auf den Vorhang mit dem versteckten Bild zu klicken. Wer bei diesem Experiment einfach rät – und etwas anderes bleibt ja offenbar nicht übrig – hat eine Chance von 50 Prozent, per Zufall richtig zu tippen. Doch als 100 Versuchspersonen je 36-mal raten mussten, kamen sie auf eine Trefferquote von 53 Prozent. Ist das noch durch Glück zu erklären?

Die Teilnehmer der Studie scheinen Ereignisse zu ahnen, die noch gar nicht eingetreten sind.

Denn erst nach ihrer Wahl bestimmt ein Zufallsgenerator, wo das Bild auftauchen wird. „Die Zukunft fühlen“ überschrieb der emeritierte Psychologe Daryl Bem seinen Bericht über dieses und andere Experimente, der demnächst im „Journal of Personality and Social Psychology“ erscheinen soll. Schon jetzt gibt es in der Fachwelt lebhafte Reaktionen. Denn die Zeitschrift ist renommiert und Bem kennt jeder, der im Psychologiestudium aufgepasst hat. Er forscht an der Cornell-Universität in Ithaca im US-Bundesstaat New York.

Bem präsentiert neun Experimente mit insgesamt über tausend Teilnehmern. Acht von ihnen sprechen dafür, dass Menschen in die Zukunft sehen können, wenn auch in eher bescheidenem Umfang. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Treffer nur durch Zufall zustande gekommen sind, beträgt laut Bem eins zu 74 Milliarden. Acht Jahre hat Bem an diesen Studien gearbeitet. Damit niemand die Ergebnisse unabsichtlich beeinflussen konnte, liefen die Experimente vollautomatisch am Computer ab.

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2 Comments

  1. Die Chance richtig zu liegen liegt bei 50 %, es ist aber unwahrscheinlich das bei einem Experiment auch immer 50 % rauskommen. 53 % ist nah bei 50 % aber es hätten auch 70% oder 30% rauskommen können, das wäre nicht „übernatürlich“ gewesen.

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  2. „Bleibt die große Frage, ob andere Forscher die Ergebnisse werden bestätigen können.“

    Ich denke, man kann schon jetzt davon ausgehen, dass von dieser Studie – wie es die Vergangenheit auch immer gezeigt hat – am Ende nichts übrig bleiben wird.

    Bereits am 04.12.2010 schrieb der GWUP-Blog in einem Beitrag unter anderem dazu:

    „…Tatsächlich jedoch sprechen die ersten Eindrücke stark dafür, dass dieser Studie das gleiche Schicksal bevorsteht wie zuvor den Psychokinese-Experimenten und den sogenannten Ganzfeld-Studien: Mit der Zeit werden auch Parapsychologen ihre gravierenden Mängel erkennen.

    Mit dieser Voraussage haben Skeptiker bisher stets recht gehabt – ganz ohne Präkognition. Ob es auch diesmal so bleibt, wird die Zukunft zeigen.“

    siehe unter: http://blog.gwup.net/2010/12/04/parapsychologie-blick-in-die-zukunft/

    Das wirkliche Elend wird jedoch sein, dass vermutlich schon jetzt diverse esoterisch benebelte Dösköppe wieder behaupten, es sei nun der endgültige wissenschaftliche Nachweis des „Zukunftsguckens“ anhand dieser Studie erbracht worden und damit auf Kundenfang gehen werden, um damit „Kasse“ zu machen.

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