Religionen im israelisch-arabischen Konflikt


Rabbi Michael M. Cohen, Quelle: icmvt.org

US-Senator Daniel Patrick Moynihan sagte einmal: Jeder hat das Recht auf eine eigene Meinung, aber nicht auf eigene Fakten”. Leider wird im arabisch-israelischen Konflikt die Religion viel zu oft missbraucht, um die jeweils eigene Position zu untermauern. So meinte einmal ein palästinensischer Vertreter, er müsse der Klagemauer jede jüdische Bedeutung absprechen. Dies ist ein Beispiel dafür, wie sogar historische Tatsachen umgedeutet werden. Ähnlich gefährlich sind rabbinische Aussagen, die die Vermietung von Wohnungen von Juden an Nichtjuden untersagen wollen. Auch hier wird zur Durchsetzung einer politischen Ideologie versucht, religiöse Aussagen zu verbiegen…

Von Michael M. CohenhaGalil.com

Versuche, religiöse Argumente für politische Zwecke zu nutzen, sind ausserordentlich gefährlich, weil religiöse Aussagen, aus dem Zusammenhang gerissen, enorme Sprengkraft entfalten und die Dynamik des Konflikts in noch größere Dimensionen katapultieren können. Aus dem Zusammenprall zweier nationaler Bewegungen wird so ein Religionskampf, dabei besagt eine der deutlichsten Lehren der Geschichte, dass religiös aufgeladene Konflikte zu den am schwersten lösbaren gehören.

Dies liegt teilweise an der Ansicht, dass eine enge und wörtliche Auslegung der Schriften und der Theologie die wahre und einzige Stimme authentischer Religion sei. Die Mär von der “einen Stimme” wird dann dazu benutzt, offenere und weniger starre Interpretationen zu unterdrücken. Trotz allen Lärms den die Vielen machen, die meinen, sie müssten im Rahmen des arabisch – israelischen Konflikts Partei ergreifen und sich Gehör verschaffen, sei daran erinnert, dass gerade die Aussagen der Religion, egal welcher Religion, auch eine Stimme für Ausgleich und Hoffnung sein können.

Im Judentum gibt es unter mehreren Strömungen eigentlich nur eine, die orthodoxe, deren Authentizität vom Staat Israel anerkannt wird. Doch entgegen verbreiteter Ansicht, gibt es sogar im Orthodoxen Judentum eine breite Vielfalt möglicher Lesarten. Die gilt ganz besonders für Fragen, die den Friedensprozess berühren.

Zum Beispiel die SchaS, die politisch einflussreiche Partei der sephardischen Orthodoxie, die schon früher einen territorialen Kompromiss mit den Palästinensern unterstütze, z.B. in der Regierung Rabin in den 90-er Jahren, als sie den Oslo-Prozess begrüsste. Obwohl die Schas, wie viele andere in der Gesellschaft, nach rechts gerückt ist, blieb sie in der Frage der Gebietsrückgabe flexibel. Flexibler als viele der anderen Parteien in Israel.

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