Religionspädagogik: Mut zum Zeugnis


Quelle: passe-partout.de

Von Monika Metternich(Tagespost) – KATH.NET

Kaum irgendwo auf der Welt haben katholische Schüler so gute Voraussetzungen, über ihre Religion Bescheid zu wissen wie in Deutschland. Konkordate regeln, dass die Kirchen einen Rechtsanspruch gegenüber dem Staat auf Erteilung von Religionsunterricht haben. Warum auf der Basis dieser hervorragenden Voraussetzungen „so wenig hängenbleibt“, wie Papst Benedikt XVI. im Interview mit Peter Seewald („Licht der Welt“) rätselte, wird viel diskutiert. Selten hört man jedoch von den Fällen gelingenden Religionsunterrichtes, bei dem nicht nur „etwas hängenbleibt“, sondern der die Schüler auch befähigt, ihren Glauben in einer pluralistischen Gesellschaft zu begründen, gelebte Formen des Glaubens kennenzulernen und für sich zu prüfen sowie ihre Urteilskraft in der Welt von heute zu schärfen.

Solche positiven Beispiele können aufzeigen, wie „Wege aus der Krise“ bewerkstelligt werden können. Statt bei der Kritik stehen zu bleiben, finden Schulen und einzelne Lehrer innerhalb des bestehenden Systems gangbare Wege, um Glaubenswissen und dessen Konsequenzen modern und ansprechend zu vermitteln. Wie Schulen und Lehrer vorgehen, denen durch die Grundlagenpläne und mehr noch bei den demnächst zu erlangenden „Kernkompetenzen“ große Freiheiten in der Stoffvermittlung gegeben sind, um einen in sich konsistenten und zu Glaubenswissen führenden RU zu erteilen, soll im Folgenden exemplarisch vorgestellt werden. Dabei werden zunächst jeweils einzelne „Krisenpunkte“ vorangestellt, um dann mit Beispielen aus der Praxis aufzuzeigen, wie erfolgreiche Lösungen aussehen können.

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5 Comments

  1. @Bürger

    theoretisch hast du vollkommen recht, jedoch ist in der Praxis so einiges möglich …

    Man lese mal diese drei Seiten von 2009:
    http://www.sueddeutsche.de/karriere/kreationismus-im-schulunterricht-paedagogischer-suendenfall-1.477324

    Schlusssatz:

    … Wissenschaftlicher Kronzeuge der Kreationisten

    Davon ist Dittmar Graf, der Dortmunder Biologiedidaktiker, nicht überzeugt. Er macht darauf aufmerksam, dass nicht nur Bekenntnisschulen solch wissenschaftlichen Unsinn verbreiten, sondern auch Schüler staatlicher Schulen kreationistische Ideen zu hören bekommen können. So werden etwa im Biologiebuch „Vita Nova“, das in der Oberstufe staatlicher Schulen zum Einsatz kommt, die umstrittenen Ideen des amerikanischen Biochemikers Christian Schwabe vorgestellt. Schwabe firmiert häufig als wissenschaftlicher Kronzeuge der Kreationisten. „Entsprechend seiner Vorstellung könnten die genetischen Programme für jedes Lebewesen so alt wie das Leben selbst sein“, heißt es im Lehrbuch. Und weiter: „Diese Theorie Schwabes ist noch lange keine allgemein anerkannte Lehrmeinung, sie bietet aber Möglichkeiten, die (…) aufgeworfenen Fragen elegant zu lösen.“

    Und was in christlichen Ersatzschulen abgeht, ist sowieso klar. Hier ein glühendes Plädoyer unseres Freundes Schirrmacher:

    http://bernd_pfromm.tripod.com/schule.html

    Nur ein kleiner Auszug:


    8. Grund: Es gibt immer einen heimlichen Lehrplan

    Kinder werden in der Schule nicht nur von dem eigentlichen Lehrplan geprägt, der vorschreibt, welcher Stoff vermittelt werden soll. Mindestens ebenso prägend ist der sogenannte ‘zweite’ oder ‘heimliche’ Lehrplan: der Umgang von Lehrern und Schülern und der Schüler miteinander.

    „Den zweiten Lehrplan könnte man vielleicht als den nichtamtlichen oder sogar als den heimlichen Lehrplan bezeichnen, da er der Aufmerksamkeit der Schulpädagogen weitgehend entgangen ist. Dieser heimliche Lehrplan besitzt auch eine goldene Mitte: den Grundkurs in den sozialen Regeln, Regelungen und Routinen. Diesen Grundkurs haben sich Schüler wie Lehrer anzueignen, wenn sie, ohne großen Schaden zu nehmen, ihren Weg durch die Institution, die da Schule heißt, machen wollen.“

    Wie löst man Probleme? Wie reagiert man, wenn einer ein Außenseiter ist? Wie spricht man mit Menschen, die andere Auffassungen vertreten? Was zählt, um von Klassenkameraden anerkannt zu werden? Was ist wirklich wichtig im Leben? Muß ich mir selbst Grenzen setzen, wenn andere sonst Schaden nehmen? Solche und viele andere Fragen werden meist nicht im Unterricht, sondern auf dem Schulhof beantwortet. An vielen Schulen wird die Frage, wie Schüler und Lehrer und Schüler untereinander miteinander umgehen, längst nicht mehr von erzieherischen Grundsätzen und hohen Idealen beantwortet, sondern vom Gesetz des Stärkeren. Mit dem zunehmenden Verfall christlicher Werte in unserer Gesellschaft und dem äußerst eingeschränkten Handlungsspielraum der Lehrer an staatlichen Schulen ist es oft nicht mehr möglich, zu einem positiven Miteinander von Lehrern und Schülern, ja manchmal nicht einmal mehr zu einem geordneten Unterrichtsablauf zu kommen. Lehrer an staatlichen Schulen haben kaum die Möglichkeit, ihre Schüler charakterlich zu erziehen und über die Unterrichtsstunden hinaus auf den Umgang der Schüler miteinander Einfluß zu nehmen.

    Da dieser ‘heimliche Lehrplan’ ebenso von der christlichen Erziehung erfaßt wird wie der offizielle Lehrplan, sind christliche Schulen unentbehrlich. Christliche Schulen wollen nicht nur ‘Wissen’ vermitteln und damit die aufklärerisch-humanistische Trennung von Lehre und Leben übernehmen, sondern bewußt eine ganzheitliche Erziehung anstreben, die das Vorbild der Lehrer und der Schulleitung ebenso mit einbezieht, wie den Kontakt zu den Eltern, die die akuten Probleme ihrer Kinder am besten kennen.

    Für jegliche Erziehung ist nach der Bibel das Vorbild von großer Bedeutung. Eltern sollen ihren Kindern selbst das vorleben, was sie von ihnen erwarten. Die Ältesten einer Gemeinde sollen nach biblischem Anspruch vorbildlich leben, damit sie Vollmacht haben, die Gemeinde Gottes zu leiten: „Die Ältesten nun unter euch ermahne ich …: Hütet die Herde Gottes, die bei euch ist … nicht als die da herrschen über die Gemeinde, sondern als Vorbilder der Herde“ (1Petrus 5,1-4). Dietrich Bonhoeffer schreibt einmal über die Kirche der Zukunft: „Sie wird die Bedeutung des menschlichen ‘Vorbildes’ (das in der Menschheit Jesu seinen Ursprung hat und bei Paulus so wichtig ist!) nicht unterschätzen dürfen; nicht durch Begriffe, sondern durch ‘Vorbild’ bekommt ihr Wort Nachdruck und Kraft. … Der Gedanke ist uns fast ganz abhanden gekommen!“ (Auch die christlichen Lehrer müssen daran arbeiten, Vorbilder zu sein. Auch sie sollten sich ständig vom Wort Gottes erziehen lassen.

    9. Grund: Christliche Kinder sind mit der Auseinandersetzung an staatlichen Schulen überfordert

    Jeder Mensch, auch jeder Christ, muß sich mit den Problemen einer nichtchristlichen Umwelt auseinandersetzen, muß die Meinung anderer kennen und muß lernen, damit zu leben, daß biblische Positionen oft nur die Meinung einer Minderheit darstellen. Die Frage ist nur, in welchem Alter diese Auseinandersetzung stattfinden muß. Muß oder kann ein Kind überhaupt in der Lage sein, bei seiner Einschulung mit sechs Jahren diese Auseinandersetzung zu verstehen und durchzustehen? Kann es dann schon als vielleicht einziges Kind in seiner Klasse gegen den Widerstand und vielleicht Spott von 25 anderen Kindern für die christlichen Überzeugungen und Verhaltensweisen eintreten, die es zu Hause gelernt hat? Manche christliche Eltern erwarten von ihren Kindern mehr Mut zum Bekennen und größere Reife zur Auseinandersetzung als sie selbst haben. Mancher Erwachsene hat seinem Nachbarn, den er nur gelegentlich sieht und von dem er normalerweise in keiner Weise abhängig ist, vielleicht noch nie seinen christlichen Glauben bekannt. Gleichzeitig erwartet er von seinem Kind ein christliches Bekenntnis bei immer wieder neuen Auseinandersetzungen des Schulalltags vor einer Gruppe, von deren Anerkennung das Kind durchaus abhängig ist und mit der es auf Jahre hinaus täglich zusammenleben muß.

    Kinder und Jugendliche brauchen vielmehr zunächst Geborgenheit, liebevolle Führung, feste Fundamente und das Wissen, daß sie mit ihrer Weltanschauung nicht alleine stehen, bevor sie sich mit Themen wie Bibelkritik, Evolutionstheorien, nichtchristlicher Sexualaufklärung oder dem Marxismus auseinandersetzen können. Der Wertepluralismus moderner Schulen, in denen die Existenzberechtigung einer christlichen Meinung überhaupt erst erstritten werden muß, verunsichert und verwirrt Kinder. Sie erzieht dazu, sich allem anzupassen und überall mitreden zu können, nicht aber dazu, eine selbständige Position zu beziehen.

    10. Grund: Christliche Schulen bieten ganz neue Missionsmöglichkeiten

    Wir haben bereits darauf hingewiesen, daß längst nicht alle Kinder einer christlichen Privatschule aus einem christlichen Elternhaus stammen. Auch Eltern, die keine christliche Ausrichtung haben, schätzen in immer größerem Maße die Vorteile, die eine christliche Schule ganz objektiv bietet. In einigen Städten haben christliche Schulen einen so positiven Ruf erworben, daß viele Eltern ihre Kinder direkt nach der Geburt anmelden, um einen der letzten Plätze für ihren Jahrgang zu erhalten.

    Wenn jedoch nichtchristliche Eltern ihre Kinder auf diese Schulen schicken, eröffnen sich damit viele Möglichkeiten, diesen Familien, die vielleicht niemals eine Kirche besuchen würden, das Evangelium von Jesus Christus zu bringen. Dies kann nicht nur durch christliche Lehrer oder Mitschüler geschehen, sondern auch durch Elternabende, Schulfeiern oder besondere Musikabende, zu denen viele christliche Schulen Eltern, Freunde und Förderer regelmäßig einladen. Nicht zuletzt können auch muslimische Kinder und ihre Eltern an einer solchen Schule ein Christsein erleben, das ihnen zu den vielen oft negativen Eindrücken vom ‘christlichen Abendland’ auch positive Aspekte vermittelt. Gerade Muslime schicken manchmal ihre Kinder lieber auf eine christliche Privatschule, die Werte wie Familie, Ordnung und den Glauben an Gott positiv vermittelt, auch wenn es hierbei um den christlichen Glauben geht. Auch für muslimische Kinder schreibt der Gesetzgeber vor, daß sie an einer christlichen Schule am Religionsunterricht teilnehmen müssen. Wie gering ist doch demgegenüber die Wahrscheinlichkeit, daß Muslime eine christlichen Gemeinde betreten, um dort etwas über den christlichen Glauben zu erfahren? Dieses Hineinwirken einer christlichen Schule in ihr säkulares, nichtchristlich orientiertes Umfeld sollte niemals unterschätzt werden …

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  2. In Österreich sind die (Katholischen) „Schulämter“ der Bischöffe für die Lehrpläne des Religionsunterrichtes zuständig, in der BRD allerdings die Kultusministerien der Länder.
    Religionslehrer die also die biblische „Schöpfungsgeschichte“, das Märchen von Noah und der Arche usw. für wahr erklären, verstossen in der BRD gegen Lehrpläne und Arbeitsanweisungen. Religionslehrer die gegen diese Arbeitsanweisungen verstossen müssen von den staatlichen Schulämtern besser kontrolliert und nötigenfalls abgemahnt usw. werden.

    In der BRD ist auch zu berücksichtigen, das evangelische und katholische immer etwa gleich viele waren und der Staat vermitteln mußte. Jedenfalls sind die wenigsten Religionslehrer evangelikal und so ist zu erklären, warum vom Religionsunterricht so wenig hängen bleibt, wie der Papst feststellt.
    Und würde der Religionsunterricht evangelikal gehalten würde viel über das Christentum hängen bleiben, aber wenig positives.
    Das ist doch ihr Dillemma, Frau Metternich. 🙂

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  3. „…Konkordate regeln, dass die Kirchen einen Rechtsanspruch gegenüber dem Staat auf Erteilung von Religionsunterricht haben.“

    Und genau an diesem Punkt muss eine Änderung erfolgen. Dieser Rechtsanspruch auf Erteilung von Religionsunterricht muss endlich aufgehoben werden, denn erstens leben wir nicht mehr im Mittelalter – auch wenn sich scheinheilige Kirchenfürsten und Konsorten diese Zeiten wohl allzu gerne zurückwünschen – und zweitens dürfen Kinder nicht immer weiter mit religiösem Unfug schon in der Schule einer Zwangsmissionierung ausgesetzt werden.

    „…„In der Grundschule beginne ich mit dem Thema Schöpfung, als dem „Zuspruchsthema“ für die Kinder. Dann stehen natürlich die großen bibischen Erzählungen auf dem Plan: Noah, Turmbau zu Babel,…“

    Wie erwähnt, was hat die Verkündung solchen Unsinns im Grundschulunterricht zu suchen? 😦

    Anstelle eines absurden Religionsunterrichtes sollte man die frei werdenden Schulstunden dafür nutzen, um unsere Kinder für die Naturwissenschaften 🙂 zu begeistern.

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