Kann das Christentum tolerant sein?


Beim – ziemlich schlecht besuchten – Festgottesdienst am 2. Weihnachtsfeiertag im Berliner Dom hielt Domprediger Thomas C. Müller eine interessante Predigt, die meines Erachtens die Möglichkeit des Relativismus im Glauben begründete und zugleich erklärte, warum der Begriff der „christlichen Leitkultur“ für einen wahren Christen problematisch ist.

Von Alan Posenerstarke-meinungen.de

Es war angenehm, im protzigen Dom, einem Sinnbild für das Bündnis zwischen Thron und Altar, in dem schon der christlich-soziale Hofprediger Adolf Stöcker seine antisemitischen Tiraden im Namen des Glaubens hielt, nun eine ganz andere Stimme zu vernehmen.

Müller ging, wie es sich an diesem Tag gehört, von jener Stelle bei Johannes (18,12ff) aus, wo Jesus zu den Pharisäern sagt: „Ich bin das Licht der Welt“. Was soll das bedeuten in einer Zeit, wo „es noch nie so deutlich war, dass der christliche Glaube nur eine von vielen Glaubenswahrheiten“ ist, fragte Müller, und wo viele Menschen Teile des Christentums zusammen mit Elementen anderer Religionen in ihre ganz persönliche „Patchwork-Religion“ integrieren? Ist die Konkurrenz durch andere Angebote „auf dem Markt“ spiritueller Sinnsuche eine Bedrohung?

In klarer, wenn auch nicht offen ausgesprochener Abgrenzung zu Benedikt XVI – und mit Hilfe von Zitaten des Wohlfühlkatholiken Anselm Grün und des strengen Gründers des Jesuitenordens Ignatius von Loyola – meinte Müller, „abstrakte Diskussionen um Wahrheit und Überlegenheit“ seien fehl am Platz. Vielmehr sollte die Konkurrenz für Christen als Ansporn wirken, ihren Weg vom „Licht“ beleuchten und „Jesus als Zentrum des Glaubens“ wiederzuentdecken – was eben nur im Handeln möglich sei. „Die Wahrheit wird nicht erstritten, sondern erlebt.“

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1 Comment

  1. Seit sich der Papst nicht nur als Vormund der Katholiken sondern sämtlicher Christen aufspielt, wachsen die innerchristlichen Spannungen. Wenn es irgendwie möglich ist wird von Protestantenführern wie Thomas C. Müller gegen den Papst geschossen 🙂

    Aber warum musste man in Berlin noch einen „Dom“ bauen, wo die meisten anderen Dome schon 1000 Jahre alt waren ?

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