Meinung eines Anachronisten


Quelle: welt.de

Was steckt hinter dem Arbeitskreis von Laizisten in der SPD?

Von Wolfgang ThierseHerder Korrespondenz

Im Sommer 2010 beschlossen einige Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten um Ingrid Matthäus-Maier, in Berlin einen Arbeitskreis von Laizistinnen und Laizisten in der SPD zu gründen. Ziele des geplanten Arbeitskreises sind nach eigenem Bekunden, für eine „klare Trennung von Staat und Religion einzutreten“ und zugleich „Vertretung und Sprachrohr der konfessionsfreien, atheistischen, agnostischen und humanistischen Mitglieder der SPD“ zu sein. Dieses Vorhaben findet seither breite Aufmerksamkeit. Das gilt nicht nur für die Kirchen- und überregionale Presse, sondern die Gruppe ist Gesprächsthema unter Verantwortlichen in den Kirchen, auf den Fluren von Synoden oder bei der Vollversammlung des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken.

Dabei ließ die Parteispitze an ihrer ablehnenden Haltung gegenüber dem Vorhaben von Anfang an keinen Zweifel. Schon als die geplante Gründung bekannt wurde, machte Andrea Nahles als Generalsekretärin der SPD gegenüber den Verantwortlichen das Namensrecht der Partei geltend und bat sie, weder die Bezeichnung noch das Logo der SPD zu verwenden. Der Vorsitzende Sigmar Gabriel erklärte seinerseits vor der Presse, dass es nicht im Interesse der Partei sei, einen solchen Arbeitskreis zu gründen.

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3 Comments

  1. @ Bürger
    Das ist doch ganz einfach: Um eine indirekte Parteiergreifung für eine säkularen Humanismus zu verhindern, ist eine offene und direkte Parteiergreifung für das Christentum notwendig und darüber hinaus auch viel besser mit dem staatlichen Neutralitätsgebot vereinbar. Also wenn das nicht logisch ist, dann weiß ich auch nicht. 😉

    Herr Thierse konnte sich offenbar nicht damit abfinden, dass der Dodo für Okt. 2010 nicht an die SPD ging und versucht es nun noch einmal.

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  2. Thirse:
    …Indem der Staat Religion aus der Öffentlichkeit zurückdrängt, nimmt er mindestens indirekt Partei für einen säkularen Humanismus. Das aber stellt den Grundgedanken der weltanschaulichen Neutralität, wie ihn das Grundgesetz vorsieht, auf den Kopf…
    ______________________________________________

    Tolle Logik. Der Staat soll also weiterhin mit vielen Milliarden € jährlich die Christen unterstützen und ihnen weiterhin eigene Gesetzgebung (Arbeitsrecht, Strafrecht usw.) erlauben, andernfalls sei der Staat weltanschaulich nicht neutral 😦
    Die „Volkspartei“ SPD ist leider von Christen wie Thirse unterwandert, da sind nur Christliche Meinungen erlaubt.
    Die Zeit der „Volksparteien“ geht aber zu ende und es wird einmal Direkte Demokratie statt der indirekter Parteiendemokratie geben. Dann erst wird die Ausplünderung und Bevormundung des Staates durch die Christen beendet werden.

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  3. Das Hauptargument der SPD-Laizisten, dass nur ein wahrhaft religionsneutraler Staat der gewachsenen Pluralität der Bundesrepublik Deutschland gerecht werden könne, und dies sei nur dann gewährleistet, wenn Religion und Staat radikal getrennt würden, kann ich nur vollumfänglich unterstützen. Es sind doch schließlich die Religioten, die in allen demokratischen Parteien bisher dominierten und ihre religiösen Überzeugungen Andersdenkenden aufzwingen wollen. Somit ist es nur allzu berechtigt, wenn diesem Ansinnen endlich entgegen getreten wird. Erforderlichenfalls eben auch kämpferisch.

    Dass Religion in der Politik absolut rein gar nichts zu suchen hat, muß endlich mal klar und deutlich herausgestellt werden. Die SPD-Laizisten fordern schließlich keinen Anspruch auf Beherrschung der Politik, es geht ihnen lediglich darum, einen nicht gerechtfertigten Alleinvertretungsanspruch religiöser Kreise in der Politik zu verhindern.

    Es ist einfach lächerlich, dass angeblich aufgeklärte, real denkende Politiker der Bevölkerung unseres Landes ihre religiösen Überzeugungen unterschieben wollen und diese gar als vorbildlich verkaufen wollen. Dazu fehlt es diesen religiös motivierten, verlogenen Mythen und Legenden schlicht und einfach am Wahrheitsgehalt. Unnötig zu erwähnen, dass es für diese religiösen Thesen und Ansichten auch nicht den Hauch für glaubwürdige Beweise gibt.

    Sollen doch die Nahles, Thierses, Gabriels, Wulffs, Merkels und Co. als Privatmenschen ihrem religiösen Wahn anhängen. Ich hege nicht die Absicht, sie daran zu hindern oder gar davon abzubringen. Sie sollten aber auch nicht den leisesten Versuch unternehmen, ihren christlichen Glauben in die Politik einzuschmugeln und mit dem Prädikat „Leitkultur“ zu versehen. Für mich – und offensichtlich auch große Teile in der SPD – hat der volksverdummende, christliche Glaube nämlich alles andere als eine Leitfunktion. Offensichtliche – über zwei Jahrtausende hinweg transportierte Lügengeschichten – taugen nun mal für nachdenkende, kritische Bürger nicht als nachzueifernde Beispiele. Schon gar nicht in der realen Politik.

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