Theologisch fundierte Würdigung des Tieres


Kein Platz für individuelle Bedürfnisse: Legehennen am Futterband. (Bild: AP)

Als Rainer Hagencord das Institut für Theologische Zoologie gründete, stieß er zunächst auf eher mitleidiges Lächeln – doch nun sitzen hochrangige Wissenschafter im Kuratorium. Das Institut will das Tier wissenschaftlich und theologisch würdigen.

Von Michael NiehausDeutschlandradio Kultur

„Die industrialisierte Landwirtschaft und eine Gesellschaft, die immer mehr Fleisch für immer weniger Geld will, sorgt dafür, dass Tiere benutzt werden als Rohlinge für die Fleisch-, Eier-, Milchindustrie, also die Würde der Tiere überhaupt nicht mehr im Blick ist, aber auch wenn ich als Naturwissenschaftler rede, die Tatsache, dass jedes Huhn, jede Pute, jedes Schwein individuelle Bedürfnisse hat. Gehen Sie mal durch eine Mastanlage, dann werden Sie bei beiden Argumenten große Fragezeichen bekommen.“

„Macht Euch die Erde untertan“, heißt es im Schöpfungsbericht im ersten Buch Mose. Ist damit auch gemeint, dass der Mensch alle anderen Lebensformen, die neben ihm auf dem Planeten existieren, nach seinem Gutdünken benutzen darf? Dr. Rainer Hagencord dürfte diese Frage klar verneinen. Er ist Leiter des Ende 2009 gegründeten Instituts für Theologische Zoologie in Münster.

„Wenn ich die Argumente mal sichte und all die globalen Probleme, die der Fleischkonsum zur Erzeugung des Fleisches mit sich bringt, spricht an sich nichts mehr für den Fleischkonsum, sondern alles dagegen. Ein Punkt ist die Klimaveränderung, und hier ist deutlich, dass allein die Produktion des Fleisches der größte Klimakiller ist. Hinzu kommt die Ernährung dieser Tiere, die ja in der Ersten Welt so geschieht, dass die Dritte Welt das Soja liefert, und das ist der zweite Skandal, denn dieses Soja könnte als Ernährungsgrundlage für viele Menschen dienen. Wird aber exportiert aus Brasilien und anderen Ländern in die sogenannte Erste Welt, um hier auch noch damit die Tiere zu füttern. Also ich bin der Auffassung, wenn ich noch Fleisch esse, muss ich mich zumindest erkundigen, haben die Tiere ein gutes Leben gehabt.“

Das Anliegen des Instituts ist es, das Tier theologisch fundiert zu würdigen, denn eine ausgearbeitete Theologische Zoologie gibt es noch nicht. Das Institut für Theologische Zoologie versteht sich als Forschungsinstitut, das mit anderen theologischen Fakultäten kooperiert. Hagencord sieht die Arbeit des Instituts aber auch ganz praktisch: Es ihm auch darum, wirksam zu werden. Kirche und Kirchengemeinden müssen nach Überzeugung des Instituts für das Thema „Bewahrung der Schöpfung“ sensibilisiert werden. Institutsleiter Hagencord ist so zu einem Reisenden in Sachen „Theologische Zoologie“ geworden. Er organisiert Projekte und Workshops, sucht Kontakte zu Bildungseinrichtungen, Nationalparks und Zoos. Er hält Vorträge, geht in Schulen und unterrichtet an der Philosophisch-Theologischen Hochschule und an der Theologischen Fakultät in Münster. Er bietet künftigen Theologen und Religionspädagogen Seminare an.

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2 Comments

  1. Also, meine Katze hat mit keiner Religion etwas am Hut. Sie ignoriert daher konsequent das 5. Gebot, das da besagt: „Du sollst nicht töten !“ Alles Zureden, sie vom Töten von Mäusen und Vögeln abzubringen, blieben leider erfolglos. Sie bringt ihre Mordopfer stets – sozusagen als ihr Beitrag zur gemeinsamen Lebensführung – sogar in unsere Wohnung. Könnte es sein, dass es auf meine atheistische Einstellung zurückzuführen ist, dass sie das 5. Gebot so konsequent missachtet ? Uns Atheisten sagt man ja nach, dass wir keine ethischen und moralischen Grundsätze hätten.
    Wäre es evtl. zweckdienlich, wenn ich meine Katze zu Dr. Hagencord in die Tier-Kirche schicken würde ?

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  2. Hoffentlich vergessen die nicht die Würdigung von Herdentieren wie Schafe und Lämmer. 😉

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