Christlicher Lebensschutz=Fortpflanzungskontrolle


1000 Kreuze in Berlin 2008/Quelle: Brights Berlin

Hierzulande ist Abtreibung rechtswidrig, aber nicht in jedem Falle strafbar und deshalb müssen alle, die sich mit dem Thema beschäftigen, an einer Balancierstange entlang hangeln. Gründliche Rechtskenntnis, Vorsicht vor selbsternannten Lebensschützern und den von ihnen erkannten juristischen Fallstricken und die eigene Verantwortung für die jungen Frauen, die Beratung und Sicherheit wollen sollten sich die Waage halten.

Von MagdaDer Freitag

Deshalb – weil alles so schnell ins Kippen geraten kann, denken sich viele Frauen, die sich für ein liberales Abtreibungsrecht engagierten: „Lieber nicht an die Sache rühren, wer weiß, ob es im gegenwärtigen gesellschaftlichen Klima nicht eher zu einer Verschärfung des Abtreibungsrechts kommt . Inzwischen überziehen die Lebensschützer Beratungsstellen, Kliniken und Ärzte mit Anzeigen wegen Strafvereitelung und anderen Delikten im Zusammenhang mit deren ärztlicher Tätigkeit. Einschüchtern, einschüchtern – so die Devise und die Politik schaut weg oder zu oder sendet auch gern mal eine Grußbotschaft. Es scheint, als sei durch das zwielichtige, uneindeutige Abtreibungsrecht in Deutschland auch die Courage entschwunden, über das Thema neu zu diskutieren. Oder ist es überhaupt so, dass die gesellschaftlichen Diskurse versiegen?

Eine Fachtagung, die ich kürzlich hier ankündigte – beschäftigte sich gestern mit dem Recht auf sexuelle Selbstbestimmung in Deutschland.

Zum Einstieg aber war der Blick über den deutschen Tellerrand nützlich, wie es Anne Thiemann vom Institut für Menschenrechte tat. Sie ging noch einmal auf die wesentlichen Dokumente und Konferenzen ein. Sie erinnerte an die UNO-Weltbevölkerungsnkonferenz in Kairo im Jahre 1994, an die Aktivitäten des Vatikans, die sich damals mit den arabischen Staaten verbündeten, damit Schwangerschaftsabbrüche nicht ins Dokument aufgenommen werden. Immerhin wurde das Recht auf reproduktive Gesundheit festgeschrieben. Die Folgekonferenzen waren vom Bestreben bestimmt, Schwangerschaftsabbrüche, auch wenn sie unter dieses Recht fielen, zu verhindern. Sie verwies auf die – von  Evangelikalen Christen beeinflussten – Bestimmungen zur Entwicklungshilfe in den USA, die ihr Engagement von der Frage abhängig machen, ob in den Ländern, in denen sie aktiv werden, das Abtreibungsrecht rigoros genug ist oder nicht. Aus der Grunderfahrung, dass da wo Frauen der Weg zu einem sichern und risikoarmen Abbruch verwehrt wird, die Frauensterblichkeit steigt, wird nichts aber auch gar nichts gelernt. Und auch nichts gewonnen, vor allem kein Leben.

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2 Comments

  1. Dies ist der seit langem bestehende Gegensatz zwischen der weltlicher Medizin und den christlichen Wahnvorstellungen.
    Hebammen, Kräuterfrauen usw. wurden schon im „Hexenhammer“ beschuldigt, mit dem „Teufel“ im Bunde zu sein.

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  2. Der optimalste Lebensschutz ist a) umfassende, weltweite, religionsübergreifende sexuelle Aufklärung und b) optimal praktizierte Empfängnisverhütung. Das minimiert Abtreibungen erheblich.

    Leider kriegt das der oberste Pfaffe in Rom immer noch nicht auf die Reihe !

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