Die Seligwaschung des Unheiligen


Nuntius Eugenio Pacelli 1924 in Bamberg. Bild: Deutsches Bundesarchiv (Bild 102-00535). Lizenz: CC-BY-SA-3.0

Die Seligwaschung des heroischen Stillschweigerpapstes heiligt alle Mittel. – Der „gebildete Katholizismus“ übt sich in vornehmer Zurückhaltung Karol Wojtyla (Johannes Paul II.)  soll am 1. Mai 2011 selig gesprochen werden. Seine Duldsamkeit gegenüber Marcial Maciel, dem wegen sexueller Gewalt berüchtigten Ordensgründer der finanzstarken Legionäre Christi, ist nun offenbar doch kein Hindernisgrund. Der Vatikan will harte Fakten schaffen. Als nächster Kandidat wartet der antijudaistisch geprägte Pius XII. (1939-1958), der heldenhafte Stillschweiger in der Zeit von Faschismus und Shoa. Papst Benedikt XVI. aus Deutschland hat diesem am 19. Dezember 2009 per Dekret schon mal den „heroischen Tugendgrad“ zugesprochen und damit die Schlussphase der Seligwaschung definitiv eingeläutet.

Von Peter BürgerTP

Eugenio Pacelli war der letzte Machthaber jener autoritären und zentralistischen Kirchengeschichtsepoche, in der alle modernen oder unangepassten Ansätze im Katholizismus kaltgestellt wurden. Da die Pontifikate von Karol Wojtyla und Joseph Ratzinger wieder an diese unselige Ära anknüpfen, wird man in Rom den Pacelli-Papst im Kreis der „seligen Vorbilder“ nicht missen können. Das Verfahren dafür ist abgeschlossen, und das Fernsehen hilft auch mit. Jetzt muss „nur“ noch ein – auf Fürsprache des Kirchenfürsten hin erfolgtes – Heilungswunder beglaubigt werden.

Zu Lebzeiten freilich war Pius XII. mit seinen Heilkräften nicht sonderlich erfolgreich gewesen. Er, der seine eigene Situation als Papst mit der von Jesus am Kreuz identifizierte, versuchte offenbar, Hitler durch einen Fern-Exorzismus von seinen Verbrechen abzubringen. Als profiliertester Konkordats-Fachmann des Vatikans hatte Pacelli, der durch und durch Politiker war, stets kühles Machtkalkül im Dienste der römischen Zentrale bewahrt. Jetzt, als Oberhaupt einer Weltkirche mit dem Abgrund der Geschichte konfrontiert, flüchtete er sich angesichts anderer Herausforderungen in einen Nebel des Übernatürlichen.

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