Im Teufelskreis der Religionen?


Quelle: contakt.ch
Quelle: contakt.ch

Deutsche Muslime, europäischer Islam, Islamfeindlichkeit: Eine Debatte unter anderem mit Tariq Ramadan und Dan Diner im Berliner Haus der Kulturen der Welt.

Von Andreas PflitschDer Tagesspiegel

Ein Gespenst geht um in Europa: der Islam. In den Niederlanden gewinnt Geert Wilders mit islamfeindlichen Parolen Wahlen, in der Schweiz stimmen die Bürger für ein Minarettverbot, und 75 Prozent der Franzosen fällt zum Islam zuerst das Stichwort Gewalt ein. In Großbritannien regt sich die Öffentlichkeit über die erste muslimische Ministerin eines britischen Kabinetts auf, Baroness Sayeed Warsi, die letzte Woche kritisiert hatte, die Islamophobie sei in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Und bei uns streitet man sich darüber, ob der Islam zu Deutschland gehört, wie Bundespräsident Wulff meint, oder Deutschland bedroht, wie Thilo Sarrazin befürchtet.

Gesprächsbedarf genug also für einen prominent besetzten Debattenabend im Berliner Haus der Kulturen der Welt unter der Überschrift „Deutschlands Muslime und europäischer Islam“. Vor übervollem Haus widmete sich die erste, von Tagesspiegel-Autorin Caroline Fetscher moderierte Diskussion zunächst der „Muslimisierung des Anderen“.

Sawsan Chebli, erste Grundsatzreferentin für interkulturelle Angelegenheiten des Berliner Innensenators, beklagte, dass man in Deutschland Mehrfachidentitäten nicht akzeptiere. Immer wieder fühle man sich genötigt, sich zu entscheiden, wo es nichts zu entscheiden gebe. Die Mehrheitsgesellschaft, so Cem Özdemir, reklamiere zudem die Definitionshoheit darüber, wer oder was als muslimisch zu gelten hat, so dass die von dem so entstandenen Zerrbild abweichende vielfältige Lebenswirklichkeit der deutschen Muslime als Ausnahme abgetan werde. Vergleichsgröße bleibe immer die Chimäre eines Normmuslims.

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