Kirchensteuer: Freiwilligkeit führt zum Zusammenbruch


Reinhold Mokrosch. Foto: Martens

Der Grund für die Entstehung des staatlichen Einzugs von Kirchensteuern geht auf den Reichsdeputationsschluss von 1803 zurück. Im Zuge der Säkularisierung hatten die deutschen Fürsten alle Kirchengüter enteignet. Für den Finanzbedarf der Kirchen, so meinten sie, sollten die Kirchenmitglieder selbst aufkommen. Allerdings erklärten sie sich bereit, bei der Eintreibung der Steuern gegen eine Verwaltungsgebühr behilflich zu sein. So ist es noch heute: In 15 Bundesländern (außer Bayern) „kassiert“ der Staat die Kirchensteuer. Das ist für die Kirchen finanziell günstig.

Osnabrücker Zeitung

Acht bis neun Prozent der Lohn- beziehungsweise Einkommensteuer wird von Berufstätigen, Rentnern und Pensionären als Annexsteuer einbehalten. Das sind bei Geringverdienern etwa 350 Euro, bei Superverdienern bis zu zwei Millionen Euro pro Jahr. Letztere finden aber Schlupflöcher und zahlen oft nur drei Prozent. Arbeitslose und nicht erwerbstätige Ehepartner zahlen nichts, weil sie kein Einkommen haben. Weil aber auch sie von der Kirche profitieren, wird von ihnen (und anderen) ein Kirchgeld von zwölf Euro pro Jahr erhoben.

An wen überweist der Staat das einbehaltene Geld? An die Landeskirchen/Diözesen, die dann ihrerseits die Finanzmittel an ihre Gemeinden je nach Bedürftigkeit auszahlen. Wer hat Anspruch auf staatlichen Steuereinzug? Jede Religionsgemeinschaft? Nicht nur die Großkirchen! Allerdings verzichten die Zeugen Jehovas, Adventisten, Freikirchen, Neuapostolische Kirchen, Mormonen und Orthodoxe darauf.

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3 Comments

  1. Das Thema Kirchensteuereinzug über das Finanzamt berührt mich als Atheisten zum Glück nicht mehr. Das war aber nicht immer so. Als ich nämlich vor vielen Jahren (mein „Gott“, wie die Zeit vergeht !?) nach Deutschland übersiedelte und – so wie alle Steuerpflichtigen – meine Steuern entrichtete, fiel mir nach einiger Zeit zufällig auf, dass man mir Kirchensteuer einzog, obwohl ich mich als konfessionslos gemeldet hatte. Hinter dem Kürzel „vd“ war diese Steuer aufgeführt. Ich erkundigte mich beim Finanzamt, weshalb man mir als konfessionslosem Steuerpflichtigen Kirchensteuer einzog ? Man belehrte mich, dass „vd“ „verschiedene Religionen“ bedeutete und mein Kirchensteuerbeitrag zwischen den Evangelen und den Katholen aufgeteilt werde ! Das hat mich zunächst sprachlos gemacht. Dann aber habe ich energisch dagegen protestiert. Es bedurfte dann aber noch eines schriftlichen Antrags, um definitiv von der Kirchensteuer befreit zu werden.

    Gut möglich, dass es auch heute noch Kirchensteuerzahler gibt, die als „vd“ geführt und unwissentlich auch als Konfessionslose Kirchensteuer zahlen. Also, liebe Leute, prüft das mal ganz schnell nach ! Wir wollen doch den Religioten nicht auch noch unfreiwillig die Kassen füllen !

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  2. http://de.wikipedia.org/wiki/Reichsdeputationshauptschluss

    Nur stimmt es überhaupt nicht, das die Fürsten sich bereit erklärt hätten, zum Ausgleich für Enteignungen für die abgesetzten und enteigneten Fürstbischöffe Steuern einzutreiben.

    Und wenn dann hätte diese Zusage dieser Monarchen in der heutigen Republik keinerlei Bedeutung, die Monarchie und das „Heilige Römische Reich“ sind längst abgeschafft.

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