Von der Leitkultur zur Kulturdiktatur?


Salomon Korn, Quelle: yahoo.de

Der Zentralrat der Juden in Deutschland wendet sich gegen die Verwendung von Begriffen wie „Leitkultur“ und „christlich-jüdische Tradition“. Der Begriff Leitkultur sei irreführend, sagte Zentalrats-Vizepräsident Salomon Korn der Internetausgabe der „Süddeutschen Zeitung“. Wenn Kultur befruchtend und lebendig bleiben solle, sei sie auf den Austausch mit anderen Kulturen angewiesen. „Von ‚Leitkultur‘ zur ‚Kulturdiktatur‘ ist es nur ein kleiner Schritt“, sagte Korn. „Kulturen, die keine Einflüsse mehr von außen zulassen, erstarren.“

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Korn sagte, die Betonung „christlich-jüdischer Wurzeln des Abendlandes“ könne auch funktionalistisch motiviert sein – so, als ob man die Juden in eine gemeinsame Front gegen die Muslime einbinden müsse. Solche „Umarmungen“ seien mit Vorsicht zu genießen. Die Geschichte der Juden in Deutschland reiche zwar 1.700 Jahre zurück. „Aber Verfolgungen, Ausgrenzungen und Massenmord durchziehen diesen Zeitraum bis in die Neuzeit. ‚Christlich-jüdische Wurzeln‘ wird man da schwerlich finden“, sagte Korn. Der jüdische Einfluss auf die deutsche Kultur sei insgesamt marginal.

Korn widersprach auch Thesen des ehemaligen Bundesvorstands Thilo Sarrazin zu erblicher Intelligenz. Sarrazins Weltbild sei stark vereinfacht und damit auch gefährlich. Die Mehrheit der Zuwanderer habe sich in Deutschland gut integriert. „Ein kleiner Teil hat Probleme und macht auch Probleme, nur fällt dieser Teil überproportional auf und dringt über die mediale Wirklichkeit unverhältnismäßig ins Bewusstsein der Öffentlichkeit“, sagte Korn. Sarrazin habe reale Probleme angesprochen, dabei aber falsche Begriffe verwendet. Damit habe er eine Stimmung bei denjenigen getroffen, die sich nach einem starken deutschen Nationalbewusstsein sehnen. „Wer keine gefestigte Persönlichkeit besitzt, sucht Menschen, auf die er hinabschauen kann“, sagte Korn. Dies sei eine Abgrenzung vom Fremden, durch die man die eigene Identität zu stärken versuche.

2 Comments

  1. Ich kann „Nanomyte“ nur zustimmen. Nur religionsunabhängige Kultur ist pluralistisch. Leitkultur von Religion abzuleiten oder mit Religion zu begründen, ist anmaßend, weil sie die nicht religiösen Teile der Bevölkerung ungefragt vereinnahmt. Diese Leitkultur, von der unsere Bundeskanzlerin immer mal wieder spricht, ist nun mal nicht meine Leitkultur. Meine Leitkultur ist frei von religiös motiviertem Popanz.

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  2. Jeder scheint seinen Senf ab zu geben. Dabei wird Kultur heute wie Nationalität, Volkstümelei und Religion hoch gehalten. Man ist heute kein Rassist mehr oder Religiot sondern ein Kulturalist. Man redet von „Befruchtung durch Kulturen“ wie von „Ökumene der Gläubigen“.
    Der Kosmopolit und Individualist brauch weder Religion, noch brauch er Volkstum, noch brauch er eine Kultur. Der Kulturrelativismus besteht nur dort wo man Individuen zugunsten von Kulturschablonen relativiert wie einst die Nazis Leute in Rassemerkmale aufteilten.
    Es langt langsam mit diesem Mist. Es gibt überhaupt keine „Kultur“ die sinnvoll ist zu vertreten, sondern nur knallharter Individualismus der jeden Menschen herausgelöst betrachtet und dementsprechend eine Menschenwürde zu erkennt.
    Personen die diese Menschenwürde nicht aufgrund der Einmaligkeit von jedem von uns ableiten, sondern aus von Gott oder von ihrer Herkunft, Volk, Rasse oder sonstwas ableiten wollen haben das Streben nach Freiheit und Glück nicht verstanden.
    Da gibt es auch keine Befruchtung von irgendwelchen neureligiösen Scheingebilden mit dem Etikett Kultur!

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