Der erste Stein


Quelle: dtv.de

Klerikale Fundamentalisten ergreifen in den USA die Macht – das Land der Freiheit wird zum Zentrum moralischer Kreuzritter. Der Kanadier Elliott Hall entwirft in seinem Debütroman ein düsteres Szenario von Sittenwächtern und vermeintlich christlicher Nächstenliebe.

Von Kolja MensingDeutschlandradio Kultur

Amerika in der nahen Zukunft. Nachdem Houston, Texas, bei einem islamistischen Terrorangriff dem Erdboden gleich gemacht worden ist, haben religiöse Eiferer die Macht im Land übernommen. Der Präsident ist nur noch eine Galionsfigur, die wichtigen Entscheidungen werden dagegen von klerikalen Karrieristen im „Ältestenrat“ gefällt – während eine Bürgerbewegung unter dem Namen „Kreuzzug der Liebe“ die Baseball-Stadien füllt und Massentaufen und öffentliche Keuschheitsgelübde organisiert: Das ist das Szenario, das der kanadische Schriftsteller Elliott Hall für seinen Thriller „Den ersten Stein“ entworfen hat.

Felix Strange ist ein ehemaliger Soldat, der sich nach seinem Einsatz im „Großen Nahostkrieg“ gegen den Iran in New York als Privatdetektiv niedergelassen hat. Von den neuen christlichen Machthabern hält er sich fern, kümmert sich um Ehescheidungen und Versicherungsbetrug. Dann wird er an einen blutigen Tatort gerufen: Bruder Isaiah, ein prominenter Prediger des „Kreuzzugs“, ist ermordet worden, und Strange soll den Fall diskret lösen. Verdächtige gibt es genug. Isaiah war ein Fanatiker, der sich jede Menge Feinde gemacht hat – innerhalb der religiösen Machtelite, aber auch an der Wall Street: Unternehmer und Broker fürchten, dass die rigiden, antikapitalistischen Moralvorstellungen der neuen Kreuzritter ihnen das Geschäft verderben könnten.

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