Ist das Christentum sexualfeindlich?


Godwin Lämmerman

Überhaupt hat der evangelische Theologe sich sehr sicher bewegt auf dem schlüpfrigen Parkett zwischen Religion und Sex. Und er warnt, dass es zur Bekämpfung von Missbrauch nicht ausreiche, die Täter zu bestrafen.

Schwäbische Post

Anschaulich im Wortsinn ist es, was der Professor und Pfarrer zum Musikwinter-Vortrag mitgebracht hat. Sinnliche, durchaus frivole Bilder, die die Ausprägungen von Sexualität zeigen, die christliche Religionen als „Bah-bah-Themen“ tabuisieren. Das mehr als 60-köpfige Publikum sieht Nacktheit, Selbstbefriedigung, eheliche Lust, Homoerotik, Pornografie, Fellatio, Petting – sogar eine Karikatur zur Verhütung. „Immer war mehr verboten als erlaubt und die Wolllust Sache des Teufels“, fasst Lämmermann zusammen und interpretiert: „Wenn die Kirche die Lufthoheit über die Lust verteidigt, geht es vor allem um Macht und Herrschaft.“

Ganz gleich ob katholisch oder evangelisch – der Kreuzzug gegen die Lust werde mit Strafängsten geführt. Die erlaubte Wortwahl – bis heute dürfe höchstens „koitiert, beigeschlafen, Geschlechtsverkehr ausgeübt werden – stehe für eine total lustlose Angelegenheit.

Warum das so ist? Weil sich das Christentum als monotheistische Religion von Anfang an wehren musste gegen Konkurrenzreligionen, deren wichtigste Götter die der Fruchtbarkeit waren (Baal, Astarte, Nina als Namensgeberin von Ninive).
Das habe den Keim zur Sexualfeindlichkeit gelegt, sagt Lämmermann. Erzählt dann, schmunzelnd ob des ungläubigen Kopfschüttelns im Publikum, von einst üblicher Prostitution in den Tempeln. Und sagt: „Wollte der neue Glaube überleben, musste er die Erhabenheit Gottes gegenüber stellen. Schon deshalb musste Gottes Sohn rein, das heißt erotikfrei, gezeugt werden.“

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5 Comments

  1. Ein sehr persönliches Statement über den Zugang zur Sexualität nach einer religiösen Erziehung hat P. Redvoort in seinem Roman „Pornos machen traurig“ niedergeschrieben – empfehlenswert!

    Susanne

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  2. Da fällt mir gerade noch ein Witz. Ein Mann wurde gefragt, weshalb er denn nur zwei Mädchen und keine Jungs gezeugt habe ? „Na, ja,“ antwortete der Mann, „meine Söhne sind leider alle im Luftkampf gefallen !“

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  3. Was soll die Frage !? Das weiß doch jeder ! Dass man vom Onanieren blind wird, hat man mir schon als kleiner Junge im Religionsunterricht beigebracht. Bisher ist diese Prophezeiung bei mir zwar noch nicht eingetroffen, aber was nicht ist, kann ja immer noch werden. Vielleicht bin ich ja auch deshalb noch nicht blind geworden, weil ich in späteren Jahren nicht selbst onaniert habe, sondern diese Handlung weiblichen Personen überlassen habe. Selbstverständlich nicht gegen Bezahlung, denn an Freiwilligen hat’s nie gemangelt !

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  4. Interessante und überwiegend richtige Thesen des Theologen. Eigentlich sind seine Erkenntnisse aber nicht mit einer weiteren Mitgliedschaft in einer Kirche vereinbar. Schafft man die „Sexualmoral“ der Kirchen ab, schafft man eigentlich auch die Kirchen ab. Oder es bleibt was übrig das zwar noch Kirche heist aber keine mehr ist.

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  5. „Ist das Christentum sexualfeindlich?“
    Eindeutig Ja! Allerdings, immer nur wenn es seine Anhänger nicht persönlich angeht. (Für Bordellbesuche o.ä. haben viele immer noch ein paar Taler in der Tasche.)
    Die Anführer selbst, bedienen sich allerdings meist kostenfrei bei ihren Schäfchen. Dabei spielt es keine Rolle ob es sich um Haushälterinnen, blutjunge Messdiener und Chorknaben oder mehr oder weniger gutausehende, religeimpfte pre- oder postpupertäre Teenager, machmal auch alleinstehende, späte Mädchen aber auch schon mal um verheiratete Seelenheilssucherinnen handelt.
    Ansonsten wie schon gesagt: Zur Erhaltung ihrer Macht über arme, eingeschüchterte und selbstzweifelnde Mitläufer, natürlich „sexualfeindlich“. (Nur so rollt der Rubel.)

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