Was Darwin noch nicht wusste


Axel Meyer, Quelle: idw-online.de

Am 12. Februar 1809 wurde Charles Darwin geboren. Alljährlich zum Gedenktag veranstaltet das Biologiezentrum der o.ö. Landesmuseen den „Darwin Day“ im Linzer Schlossmuseum. Festredner ist diesmal Axel Meyer (50), einer der führenden deutschen Evolutionsbiologen.

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Axel Meyer wurde in Mölln (Schleswig-Holstein) geboren. Er studierte in Kiel, Harvard und Berkeley, wo er als PostDoc in Biochemie arbeitete. Seit 1993 lehrte er an der University of New York, ehe er 1997 nach Konstanz wechselte. Der renommierte Buchautor („Evolution ist überall“, Böhlau-Verlag) hat sich als Evolutionsbiologe vor allem mit Forschungen an Buntbarschen international einen Namen gemacht. Sein Vortrag am 11. Februar um 19.30 Uhr im Schlossmuseum hat den Titel: „Was Darwin noch nicht über die Entstehung der Arten wusste.“ Die OÖNachrichten haben mit Professor Meyer gesprochen.

OÖN: Was hat Darwin noch nicht gewusst?

Axel Meyer: Er hat zwar die Selektion als Hauptantrieb der Artenbildung postuliert, hatte aber nur eine vage Ahnung, was Arten sind und welche Prozesse ihre Entstehung steuern.

OÖN: Sind da die modernen Evolutionsforscher schon weiter?

Meyer: Ja, und das verdanken wir vor allem dem 2005 verstorbenen Ernst Mayr. Die von ihm mitentwickelte „Synthetische Theorie der Evolution“ hat Darwins Konzept mit den neuen Erkenntnissen der Genetik in Einklang gebracht. Auf Mayr geht die Vorstellung von der „allopatrischen Artbildung“ zurück, nach der die Aufspaltung einer Art in zwei Tochterarten durch geografische Trennung ausgelöst wird – durch Barrieren wie Gebirge oder Flüsse. Im Erbgut der getrennten Populationen häufen sich so lange Genveränderungen an, bis sie sich nicht mehr zusammen fortpflanzen können.

OÖN: Ist diese Vorstellung nach wie vor plausibel?

Meyer: Ja, aber wir wissen heute, dass die Artbildung sehr wohl auch dann geschieht, wenn eine Ausgangspopulation in nur einem Lebensraum vorkommt. Daraus folgt, dass sie nicht nur von der geografischen Isolation abhängen kann.

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