Great Barrier Reef: Überflutungen und Zyklon Yasi


Fitzroy-Mündung Keppel Reef Area, Quelle: vielfalter-blog.de

Das Schlimmste am tropischen Monster-Wirbelsturm Yasi scheint wohl vorbei zu sein, obwohl die Nachwehen noch kräftig sind. Der Sturm hat sich jedenfalls stark abgeschwächt und ist in ein Starkregengebiet übergegangen. Nach den verheerenden Überflutungen von Mitte Januar wird Queensland einfach nicht mehr trocken.

Von Prof. Dr. Reinhold Leinfelder, Paläontologe -HU Universität Berlin – Vielfalter-Blog

Während an Land die Aufräumarbeiten weitergehen, wird es Zeit zu fragen, wie es dem Great Barrier Reef durch diese Doppelbelastung nun ergangen ist. Noch ist kaum jemand wirklich draußen im Riff gewesen, aber erste Meldungen und Einschätzungen gibt es und wir werden relativ rasch sehen, was dort draußen passiert ist.

Während der Überschwemmungen Mitte Januar wurden enorme Mengen von abgewaschenem, nährstoffbeladenen Boden, Düngemittel, Pestizide aus der Landwirtschaft, Abwässer und Unmengen von überhitztem Süßwasser der Riffregion zugeführt. All dies ist sehr schädlich für Rifforganismen und damit für das gesamte Riff:

  • Korallen und viele andere Tiere im Riff müssen auf dem Untergrund festwachsen, ihre Larven benötigen daher festen Grund, den sie nicht finden, wenn sich dort Schlamm absetzt.
  • Diese Tiere können durch den eingebrachten Schlick auch selbst verschüttet werden. Selbst wenn sie sich mit ihren Tentakeln und anderen Kunstgriffen reinigen können, kostet dies viel Energie, welche dann nicht für Wachstum zur Verfügung steht. Viele Korallen müssen jedoch ständig wachsen, da im zentralen Riff vom starken Wellengang ständig Steinkorallen zerbrochen werden und diese ihre Energie vor allem für das Nachwachsen benötigen.
  • Die Hauptkonstrukteure des Riffs, die Steinkorallen (- im Großen Barriereriff kommen etwa 400 verschiedene Arten davon vor – ), aber auch viele andere Riffbewohner, benötigen sehr klares Wasser, da sie in Photosymbiose mit einzelligen Algen leben, die innerhalb des Gewebes der Korallen wie kleine Solarkraftwerke funktionieren und aus Kohlendioxid, Wasser und Sonnenenergie Zucker und andere Nährstoffe synthetisieren, die sie direkt auch an die Korallen abgeben, von denen sie im Gegenzug für die Algen wertvolle Abfallstoffe wie Phosophor- und Stickstoffverbindungen bekommen. Ist feiner Schlamm im Wasser, wird das Wasser zu trüb. Die Sichtweiten im Riffsystem waren bei der Mitt-Januar-Überflutung teilweise extrem herabgesetzt. In 10 Meter Tiefe war nur noch ein Prozent des Lichts vorhanden, ansonsten sieht man in dieser Region bis über 30 Meter tief.
  • Korallenriffe sind durch ihre Photosymbiose evolutionär an Gebiete mit extremer Nährstoffarmut angepasst. Gelangen nun zu viele Nährstoffe ins Riff, wie dies durch die abfließenden Wässer der Fall war, kann es zu Blüten von Weichalgenmatten kommen, welche Korallen und andere Tiere überwuchern und damit ersticken können. Auch sind die Larven vom Dornenkronenseestern, einem natürlichen Feind der Korallen, unempfindlicher gegenüber nährstoffreichen Wässern als die Larven der Korallen, was zu explosivem Zunehmen dieses Fressfeindes führen kann.
  • Korallen und viele andere Rifforganismen vertragen kein Süßwasser, sie sind an stabile, normalmarine Salzgehalte angepasst (sie sind stenohalin).

An Schäden durch Yasi droht folgendes:

  • Durch die starken Regenfälle gibt es weiteres heftiges Einfließen von nährstoff-, schlamm-, und schadstoffbeladenem Süßwasser in die Riffregionen, mit den oben beschriebenen potentiellen Auswirkungen.
  • Der tropische Wirbelsturm dürfte zumindest im zentralen Bereich der Sturmpassage ein starkes Zerbrechen vor allem von Geweihkorallen, vielleicht auch das Abrutschen sowie die Verfrachtung großer Riffblöcke verursacht haben.

Soweit die generellen Schadensbefürchtungen.

weiterlesen