Die Muslim-Brüder – alte Verbündete des Westens


Logo der Muslim-Bruderschaft, Quelle: wikipedia

Im Spätsommer des Jahres 1953 kam es zu einem Besuch im Oval Office, dem Zentrum der amerikanischen Macht. Ein junger Mann, oliv-farbene Haut, sorgfältig getrimmter Bart und im schwarzen Anzug bei Dwight D. Eisenhower. Es waren weitere Personen anwesend, Koran-Gelehrte, Imame, Mullahs und einige politische Aktivisten aus Indien, dem Jemen, Syrien und Nordafrika.  Bei dem speziellen Gast des amerikanischen Präsidenten handelte es sich um Said Ramadan. Einem militanten Vertreter und Ideologen der Muslim-Bruderschaft aus Ägypten.

Hassan al-Banna hatte die Muslim-Bruderschaft 1928 in Ägypten gegründet. Die Ursachen waren komplex. Als Hauptgründe erscheinen die Aufkündigung des osmanischen Kalifats durch die Türkei, die britische Kolonial-Herrschaft und die westliche Dekadenz der Kolonialherren. Schnell breitete sich die Bewegung im Nahen Osten aus. Die Muslim-Bruderschaft gilt als erste revolutionäre Bewegung des Islams. Während die Wahhabiten in Saudi-Arabien mit dem osmanischen Islam kurzen Prozess machten und alles, was an diesen erinnerte, mit Feuer und Schwert beseitigten, man spricht von ca. 400.000 Opfern, Moscheen verbrannten, entwickelte sich die Muslim-Bruderschaft zur politischen Kraft in Nahost. Mit Ausnahme Syriens gelang es ihnen in jedem Land der Region Fuß zu fassen.

Said Ramadan war ein treues Mitglied der Bruderschaft. Durch die Heirat mit Wafa al-Banna, der Tochter Hassans, wurde er zum Schwiegersohn des Gründers der Bruderschaft und kam somit in die inneren Zirkel der Macht.

Für Hassan al-Banna war der Islam ein allumfassendes, kultartiges System des Glaubens. Unter Bezug auf den Islam der Altvorderen, der Salafyyia, den mystischen Sufis, die eine freimaurerartige Bewegung im Islam darstellen, beschrieb Banna seine Bewegung wie folgt:

„die Botschaft der Salafyyia, die Wahrheit der Sufis, eine politische Organisation, eine athletische Gruppe von Menschen, eine bildungskulturelle Vereinigung, eine ökonomische Einheit und nicht zu letzt eine soziale Idee, ist die Bewegung der Muslim-Bruderschaft.“

Zurück ins Oval-Office des Spätsommers 1953.

Der Besuch Said Ramadans beim amerikanischen Präsidenten fand zu einer Zeit statt, als hinreichend bekannt war, dass die Muslim-Bruderschaft eine Organisation von Fanatikern und Terroristen sind. Die Gefolgsleute der Bruderschaft hatten mehrere offizielle Regierungsvertreter und einen Ministerpräsidenten ermordet. Was dazu führte, dass der amtierende König von Ägypten, Faruk, die Bruderschaft verbieten ließ, ihre Mitglieder gingen somit in den illegalen Untergrund. Die Bruderschaft verschwand nicht und teilte nicht das Schicksal des ägyptischen Königs. Was war geschehen, dass sich ein amerikanischer Präsident mit Mördern und Intriganten ablichten ließ. Der kalte Krieg tobte und die USA befanden sich auf dem Höhepunkt der McCarthy-Ära. Bindemittel für die Ewiggestrigen, die kommunistische Bedrohung der Welt durch die Sowjetunion, die Verbreitung kommunistischer Ideen in einer Reihe von Ländern des Nahen und Mittleren Ostens. Der Antikommunismus einer ganzen Menschheitsepoche eint sie Alle, ob nun die Katholiken, Evangelikalen, Islamisten, Politiker jedweder Coleur.

Also, Eindämmen, Zurückdrängen und Vernichten des politischen Gegners war die Rolle, die der Muslim-Bruderschaft zugedacht war. Die USA, die bis heute die Frage nicht zufriedenstellend beantworten können, wie denn ihr Erdöl unter arabischen Sand komme, hatten einen „treuen“ Verbündeten gefunden.

Mit dem Sturz des ägyptischen Köngs Faruk durch das Komitee der „Freien Offiziere“ unter Führung von Gamal Abdel Nasser sollte das Land einen völlig anderen Weg einschlagen. Anwar as-Sadat, Mitglied des Komitees, war auch ein treuer Muslim-Bruder. Zunächst konnte  die Annäherung Ägyptens ,unter Nasser, an die Sowjetunion nicht verhindert werden. Nach einem Attentatsversuch der Muslim-Brüder auf Nasser wurden diese erneut verboten. Nasser selbst betrieb die Säkularisierung des Landes in großem Umfang. Mit dem Tod Nassers 1970 kam Sadat an die Macht. Sadat ließ die Muslim-Brüder wieder zu und machte die Säkularisierung rückgängig. Folgerichtig keimte der Islamismus wieder auf, den Sadat auch für sich politisch vereinnahmte.

Den Muslim-Brüdern wurde anfänglich das Attentat auf Sadat zugerechnet. Klar ist aber, dass Sadat von vier Islamisten der Gruppe Al-Jihad ermordet wurde.

Während der jüngsten Unruhen in Ägypten verhielten sich die Muslim-Brüder eher passiv und erklärten, dass sie sich an einer neuen Regierung im Lande nicht beteiligen würden.

Auffallend an der Geschichte der Muslim-Bruderschaft sind die Parallelen, unter Bezug auf die Taliban. Antikommunismus hat bisher jedes Mittel gerechtfertigt, US-amerikanischer Staatsterrorismus wird in die Welt getragen und schlägt mit aller Macht auf die Verursacher zurück. Al-Quaida sind die Muslim-Brüder ein Dorn im Auge, da diese die normalen Medien nutzen, ohne terroristische Ambitionen, um ihre Ziele zu verwirklichen.

Vielleicht haben ja die Muslim-Brüder der sozialen Idee des Hassan al-Banna den Vorzug gegeben. Sie nun als die Schreckgespenster einer möglichen neuen Gesellschaft in Ägypten hinzustellen ist grundlegend falsch.

Und wenn die  Muslim-Brüder demokratisch gewählt werden sollten, sind sie demokratisch gewählt. Der Westen sollte seine demokratischen Maßstäbe auch bei sich selbst anlegen.

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