Wikileaks – Die sprudelnde Quelle


Artikel über Wikileaks sind immer Medienhits. Sie fliegen dicht über dem Boden gerade noch machbarer Medieninformationen. Es waren immer Informationen über andere. Erstmals bekommen wir nun eine Geschichte präsentiert, die uns hinter die Feuermauern der Whistleblower-Festung schauen lässt. Es ist ein Spaß-Buch, voll mit Anekdoten der Anarcho-Szene von Wikileaks und es scheint als wäre der Hacker-Szene nun endlich ein Grund für ihr Dasein gegeben worden.

Daniel Domscheit Berg war der Sprecher von Wikileaks und die rechte Hand von Julian Assange. Im September letzten Jahres brach er mit Wikileaks und seinem Boss. Wie auch immer, es erscheint, als wenn er sofort mit dem Schreiben des Buches angefangen hätte. Der Autor lässt uns wissen wie sich Wikileaks  in den Netzwerken der Medien verlaufen hat, die eigenen, selbst aufgestellten Prinzipien verriet, vom Wege abkam, wie er und andere, ja die Organisation selbst, absichtlich verkrüppelt wurden.

Domscheit-Berg und der „Architekt“, wie er ihn nennt, hatten vor die Plattform zu schließen. Wikileaks fuhr fort Unterstützungen anzunehmen, insbesondere unter dem Aspekt „Türen“ mit neuem Material zu erhalten und zu sichern, die Schlüssel zu nehmen und sich zu entfernen. Damit verbundene Fehler, im System von Wikileaks, wurden nicht behoben und sind heute noch nicht behoben.  Wenn das, was Domscheit-Berg sagt, wahr ist, dann ist Wikileaks nicht in der Lage neue Dokumente, die nicht entweder physisch oder als e-Mail übergeben werden, zu akzeptieren. Damit ist die Anonymität der Quellen von Wikileaks nicht gewährleistet. Will sagen, die Zusicherung und das Versprechen von Wikileaks einen harten Quellenschutz zu fahren, ist eine reine verbale Äußerung und ist praktisch auf dieser Grundlage nicht zu realisieren.

Der Autor fordert die Rückkehr zu den Kernprinzipien von Wikileaks, Transparenz und Offenheit.

Wir erfahren, dass Domscheit-Berg einige der Dokumente, die Wikileaks erhalten hatte und für eine Veröffentlichung bestimmt waren, mitgehen ließ. Er will diese Papiere nicht veröffentlichen und sicher verwahren und zwar solange bis Assange anfängt sich wie ein Erwachsener zu benehmen und zu handeln. „Kinder sollten nicht mit Waffen spielen“, so der Autor über den Gründer von Wikileaks.

Eine weitere Überraschung ist die Tatsache, dass Assanges „Versicherungsdatei“ offensichtlich existiert. Diese geheime, verschlüsselte Datei, verdammenswerter Informationen, die Assange als Drohpotential nutzt, sollte ihm oder der Webseite etwas passieren. Zu späterer Zeit hatte Assange wohl die Existenz einer solchen Datei negiert, der Autor lässt aber keinen Zweifel daran, dass er persönlich USB-Sticks mit verschlüsselten Daten an Freunde und vertrauenswürdige Journalisten verschickt habe. Diese Daten können nur benutzt werden, wenn Assange den dazugehörigen Schlüssel frei gibt. Mit anderen Worten, Wikileaks erpresst momentan jeden der „Großen“, die etwas zu verstecken haben. Niemand weiß was sich auf diesen Sticks befindet. Die allgemeine Drohung schwebt wie ein Damokles-Schwert über der Gesellschaft.

Sind all diese Informationen wahr? Wir dürfen nicht vergessen, dass der Autor des Buches zugibt, bei einer „großen Sache“ zu lügen wäre nicht unredlich und der in seinem Buch dargestellte Charakter von Julian Assange, wäre der eines Erz-Lügners.

Das Buch erinnert mich an eine Liebesgeschichte, die falsch gelaufen ist. Oder an eine Ehe, die nun keine mehr ist und man wie bei „Kramer gegen Kramer“ mit allen Mitteln und Waffen gegeneinander kämpft. Zwei blassgesichtige Computer-Freaks, deren Intelligenz von der Allgemeinheit nicht wahrgenommen worden wäre, hätten sie nicht begonnen Alpträume in die Nachtstunden von Politikern, Geschäftsleuten und Generalen zu transportieren. Ausgestattet mit einer gewissen Paranoia haben die beiden allen anderen misstraut zu guter letzt sich selbst. Die Litanei von Lügen, Missbrauch ihrer selbst und das Überschreiten von sozialen Grenzen ist das verstörende Bild dieses Buches.

Das Buch ist gut geschrieben, es macht Spaß es zu lesen. Das Kopfschütteln sei dem Leser überlassen. Must read.