Die Rechristianisierung des Ostens


Manfred Weiß bei der Vorstellung der Studie. Bild: Silvio Duwe

Studie zeigt: In Ostdeutschland sind private evangelische Grundschulen auf dem Vormarsch

Von Silvio Duwetp

Der Pisa-Schock des Jahres 2001 sitzt den deutschen Eltern offenbar nach wie vor tief in den Knochen. Damals schnitt Deutschland bei dem internationalen Leistungsvergleich katastrophal ab, landete in allen untersuchten Bereichen ausschließlich auf hinteren Plätzen . Die Schuld dafür wurde vielfach im desolaten Zustand der öffentlichen Schulen gesehen. Wer konnte, ergriff die Flucht aus dem staatlichen Schulsystem. Eine  Studie des Netzwerks Bildung in der Friedrich-Ebert-Stiftung zeigt jetzt, dass dieser Trend seit der ersten Pisa-Studie weiter anhält, aber dass die Flucht in die Privatschulen kaum einen wirklichen Vorteil bringt.

Privatschulen hätten lange Zeit nur eine marginale Rolle im deutschen Schulwesen geführt, so der Autor der Studie, Manfred Weiß, bei deren Vorstellung gestern in Berlin. So besuchten noch 1992 lediglich 4,8 Prozent aller Schüler in der Bundesrepublik eine Privatschule. Bis zum Jahr 2000 stieg der Anteil nur leicht auf 5,6 Prozent. Doch nach Pisa beschleunigte sich das Wachstum um den Faktor 2,5. 2008 besuchten bereits 7,8 Prozent aller Schüler eine private Schule.

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5 Comments

  1. natürlich ist das alls so gewollt.
    Sonst würde es geändert.
    Gut gebildete Bürger hindern bloß die Obrigkeit, und lassen sich immer nur schwer regieren.

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  2. Ich glaub halt das die Schulen der DDR auch besser waren. Neigungen wurden da gezielt gefördert, ob es Naturwissenschaft, Sport oder egal was war und dann bekam man auch einen entsprechenden Arbeitsplatz und Weiterförderung nach der Schule.

    In der BRD ist wohl der Förderalismus doch ein Zusatzproblem für die Bildung. Hätte ein Bundesland der BRD sämtliche Kopetenzen wie ein Staat, wäre es einfacher und es könnten bei Problemen eher Prioritäten gesetzt werden.
    So bekommen die BRD Bundesländer halt einen Steueranteil, können aber z.B. nicht vom Krigsministerium zu den Schulen umschichten, wenn es nötig wäre.

    Ein überschaubarerer Staat mit allen wichtigen kompetenzen auf einer Ebene, ist da wohl flexibler.

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  3. Ich bin in der Schweiz zur Schule gegangen und konnte somit erst nach der Einschulung meiner beiden Töchter Vergleiche anstellen. Dieser Vergleich fiel dann allerdings für die deutsche Schule ziemlich negativ aus. So waren z.B. seinerzeit in der 1. Klasse meiner jüngeren Tochter 38 Schüler, davon eine größere Zahl ausländischer Kinder. Zudem hatte die Lehrerin nur einen halben Lehrauftrag. Das war für mich der Anlaß, mich als Elternbeirat wählen zu lassen. Bei der ersten Sitzung dieses Gremiums gab’s dann auch prompt Zoff mit dem Rektor. „In unserem Kreis gibt es 17 Schulklassen, die noch weitaus mehr Probleme haben,“ meinte er. Ich gab ihm zurück, dass ich mich noch nie an schlechteren Beispielen orientiert hätte.
    Anläßlich der 2. Sitzung eröffnete mir der Rektor, dass das Lehrer-Gremium mir nahelege, als Elternbeirat zurückzutreten, da das gegenseitige Vertrauensverhältnis (wegen meiner Kritik) gestört sei. Da habe ich erstmal geschluckt und dann erklärt, dass ich nicht von den Lehrern, sondern von den Eltern gewählt worden sei und somit nicht zurücktrete. Es stellte sich im Nachhinein heraus, dass der als autoritär bekannte Rektor das Lehrer-Gremium so stark beherrschte, dass sie seinem Antrag, mir den Rücktritt nahezulegen, zugestimmt hätten ! Später meldeten sich in der Folge heimlich einige Lehrer bei mir und beglückwünschten mich dafür, dass ich diesem Rektor endlich mal Kontra gegeben hätte. Ihm zu widersprechen traute sich aber keiner.

    Nein, das deutsche Schulsystem ist auch heute noch kritikwürdig und hält den Vergleich z.B. mit der Schweiz auch nicht annähernd aus. Ich erlebe das hautnah mit meinen Enkeln. Wenig motivierte Lehrer (sicher nicht alle), viele ausgefallene Stunden usw. Die Liste der Kritik liesse sich beliebig fortführen. Da ich mich auch als Opa um die schulischen Belange meiner Enkel – bis hin zur Überwachung der Hausaufgaben – kümmere, sind mir die Schwächen des deutschen Schulsystems sehr wohl bekannt. Somit kann ich gut nachvollziehen, dass sich ein Trend zu privaten Schulen entwickelt hat. Es muß ja nicht gerade ein Waldorfschule sein.

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  4. Könnte man einfach ändern. – Genau so viel Geld in staatliche Schulen stecken. Aber wem erzähl ich das.

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  5. Soll dass bedeuten, dass hinter dem schleichenden Verfall des staatlichen Schulwesens die gewollte Flucht der Eltern und ihrer Kinder in Geisterbeschleimscheisser-geprägte Privatschulen erwünscht ist?

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