Gott ist Amerika


Während Europa in der Kirchenkrise steckt, halten die USA unerschütterlich an ihrem Glauben fest.

Von Josef JoffeZEIT ONLINE

Nur wenige Unterschiede zwischen Europa und den Vereinigten Staaten sind so dauerhaft wie die »Gotteslücke«. Vor fast 200 Jahren schrieb Alexis de Tocqueville in Über die Demokratie in Amerika: »In Frankreich hatte ich den Geist der Religion und den Geist der Freiheit in gegensätzliche Richtungen marschieren sehen. In Amerika aber fand ich sie aufs innigste vereint, und sie regierten gemeinsam über ein und dasselbe Land.«

Tocqueville benannte zwei wichtige Motive des amerikanischen Exzeptionalismus, die bis heute wirksam sind: die ungewöhnlich starke Religiosität im Land und den überraschend großen Beitrag der Religion für die Freiheit. Dagegen war das Band zwischen Glauben und Freiheit in der europäischen Geschichte immer schwach. In seinen schlimmsten Zeiten bekämpfte das Christentum sogar die Freiheit. Die katholische Kirche predigte Autorität und Gehorsam.

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2 Comments

  1. Meine Erkenntnisse über das religiöse Amerika gehen dahin, dass die geradezu demonstrativ zur Schau gestellte Religiösität überwiegend nur oberflächliche Show ist. Die gelebte Realität zeigt schließlich ein völlig anderes Bild.

    Ein Politiker könnte es sich gar nicht leisten, sich als „Ungläubiger“ einer Wahl zu stellen. Er würde glatt durchfallen. Das Aufrechterhalten einer religiösen Fassade ist längst Bestandteil des amerikanischen Alltags geworden. Der sonntägliche Gang in die Kirche somit ein gesellschaftliches Muß.

    Diese nach außen gezeigte Fassade bietet wiederum den extremen religiösen Eiferern eine sichere Aktionsbasis, da sie ja kaum mal mit offen vorgetragener Kritik konfrontiert werden. Kein auf seine soziale Stellung bedachter Amerikaner würde sich öffentlich gegen Gott und die Religion stellen. Inwieweit sich dahinter echte Religiösität verbirgt, ist mehr als nur zweifelhaft.

    Aus vielen Gesprächen mit in Europa lebenden Amerikanern weiß ich, dass sie sich hier schon mal offen zu einer atheistischen Einstellung bekennen. Dies würden sie aber niemals in den USA tun. Dort muß der Schein gewahrt werden, weil es derzeit immer noch mit zu vielen Nachteilen verbunden wäre, wenn man seine wahre Gesinnung offenbaren würde.

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  2. Ist heute halt wiederum das Wunschdenken der konservativen Evangelikalen! Lincoln hielt seine Rede ‚Gettysburg Address‘ bei der Einweihung des Soldatenfriedhofs auf dem Schlachtfeld von Gettysburg.

    Gut dargestellt in:

    Library of Congress:

    „Abraham Lincoln gab seinen beiden Privatsekretaeren je eine Kopie seiner Rede. Die anderen drei Kopien (mit ‚under God‘) erstellte Lincoln nach dem 19. November für wohltaetige Zwecke“

    Uebrigens existiert ein Buch zu diesem ‚amerikanischen‘ Thema allgemein:
    Chris Rodda: Liars for Jesus,
    The Religious Right’s Alternate Version of American History
    2006; ISBN: 1-4196-4438-6
    Published by the author
    somewhere in the Garden State

    Ferner auch der Artikel von Lisa Miller in der Newsweek:
    ‚One Nation Under God‘

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