Schluss mit Multikulti?


Quelle: http://www.nrhz.de

Das, was neuerdings häufiger als Multikultipolitik verteufelt wird, hat in Wahrheit nie existiert. Nicht das Scheitern von Multikultipolitik hat Parallelgesellschaften geschaffen, sondern deren absolutes Fehlen.

Von Ingrid ThurnerDie Presse

Seit der Kapitulation vor einem rassistischen Druckwerk, dessen Befunde auf kreativer Statistik beruhen, tragen Politiker aller Couleurs ein Diversitätskonzept zu Grabe, das anderswo gut funktioniert, und Medien aller Couleurs stimmen in den Abgesang ein. Die katastrophale Auswirkung eines katastrophalen Bestsellers: Multikulti wird mitteleuropaweit abgeschafft.

 

Wie kann heute noch jemand von Leitkultur faseln und glauben, er müsse eine einheitliche, mehrheitsgesellschaftliche, nationalistische Dominanz verteidigen? In Zeiten, in denen sich Technologien, Ideen und Krankheiten in Windeseile über den Planeten verteilen, in denen schon für Schulkinder Überseeaufenthalte und Sprachferien als wünschenswert gelten, in denen Auslandssemester und -praktika zur Berufsqualifikation gehören, in denen Waren schneller zirkulieren, als chinesische Fließbänder sie produzieren können, in denen aufständische Bewegungen rascher in die Welt getwittert werden, als despotische, vom Westen gestützte Regierungen sie niederknüppeln können, wie kann da noch auf die Ewiggestrigen gehört werden, die sich verbissen an rückwärtsgewandte Ideologien einer Nationalkultur klammern?

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