Nazis, die CIA und der islamische Fundamentalismus


Interview mit Ian Johnson über westliche Geheimdienste, die Muslimbruderschaft und eine Moschee am Rande Münchens

Von Reinhard Jellentp

In seinem im Januar erschienene Buch „Die vierte Moschee“ beschreibt der Pulitzer-Preisträger Ian Johnson den Versuch der Nazis und später der westdeutschen und amerikanischen Geheimdienste, Muslime für die Propaganda gegen die Sowjetunion einzusetzen.

Herr Johnson, Sie haben in London in einer islamischen Buchhandlung eine Landkarte entdeckt, auf der neben den Moscheen in Mekka, Jerusalem und Istanbul auch die des Islamischen Zentrums in München-Freimann aufgezeichnet war. Wie kam das eher unbekannte Bauwerk am Rande von München zu der Ehre, auf dieser Landkarte abgebildet worden zu sein?

Ian Johnson: Der Grund dafür liegt darin, dass die Karte die Welt aus dem islamistischen Blickwinkel zeigt. Alle Länder waren zum Beispiel je nach islamischer Bevölkerungsdichte unterschiedlich koloriert. Am Kartenrand waren verschiedene Moscheen abgebildet, aber nicht wegen ihrer religiösen Bedeutung, sondern aufgrund ihrer politischen Wichtigkeit. Das Islamische Zentrum in München wurde genau aus diesem Grund ausgewählt: Es ist ein Eckpfeiler der internationalen islamistischen Bewegung.

weiterlesen