Plädoyer für eine ehrliche Religionskritik


Quelle: n-tv.de

Islamismus lässt sich nicht in Mordanschlägen messen. Und religiöser Fanatismus beginnt nicht erst beim Kauf von Waffen.

Von Evelyn FingerZEIT ONLINE

Um als religiöser Fanatiker erfolgreich zu sein, braucht man keine Waffen. Man braucht auch keine Ausbildung in Handgranatenweitwurf und kann getrost auf ein Trainingscamp für Terroristen verzichten. Denn das Entscheidende am Fanatismus ist, dass man alle Andersgläubigen, die man zu seinen Feinden erklärt hat, mundtot macht. Dazu muss man den Feind nicht erschießen. Es genügt, ihn einzuschüchtern, bis er aus Angst vor einem Attentat schweigt.

Seyran Ateş weiß, wie hasserfüllt Islamisten auch hierzulande sind. Die deutschtürkische Menschenrechtlerin und Religionskritikerin musste vor zwei Jahren, nach dem Erscheinen ihres Buches Der Islam braucht eine sexuelle Revolution, alle Lesungen absagen und untertauchen, weil sie mit dem Tod bedroht wurde. Ihrer Familie zuliebe hat sie sich seither Schweigen auferlegt. Doch das genügt ihren Verfolgern nicht. Jetzt ist wieder eine Gewaltdrohung per E-Mail gekommen. Ihr werde die Zunge abgeschnitten, wenn sie ein falsches Wort sage, kündigte vorige Woche ein Absender namens »İskender Büyük« (Alexander der Große) an, und zwar kurz nach Präsident Erdogans Anti-Assimilations-Rede. Im Betreff der E-Mail stand: »Du bist eine richtige Deutsche geworden, wer assimiliert ist, muss vorher eine Nutte gewesen sein.« Weiter schrieb İskender, sie solle sich keine Respektlosigkeiten erlauben, sonst würde sie ihre Zunge verlieren.

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2 Comments

  1. Wenn eine radikale und gewalltbereite Ideologie / Religion eine andere Religion / Ideologie kritisiert, kann nichts gescheites dabei herauskommen.

    Radikale / Gewallt und Intoleranz gibt es bei allen Religionen und Ideologien. Nehmen wir als Beispiel die Marktreligion (Liberalismus), deren Sprachrohr „die Zeit“ ist. Menschen Demonstrieren seit Jahrzehnten gegen die von dieser Religion / Ideologie vorangetriebene Atomenergie, werden deswegen zusammengeschlagen, bedroht, verhaftet, angegriffen, drangsaliert usw. Und jetzt hat die Energiepolitik dieser Marktreligion zu mehreren Supergau in Japan geführt, wodurch Millionen von Menschen in höchste Gefahr gebracht werden.
    Wird sich „die Zeit“ jemals für ihre Ideologisch / Religiöse Berichterstattung zur Atomkraft entschuldigen ?
    Helmut Schmidt als Herausgeber dieses Blattes ist immerhin einer der wichtigsten Befürworter dieser totbringenden Anlagen. Aber der war ja auch schon einer der „tüchtigsten“ Offiziere von Hitlers Reichswehr, manche sind eben einfach bei jeder großen Schweinerei dabei.

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