Neuigkeiten aus dem religiösen Paralleluniversum


„Twittagsgebet“
[…]Zur Mittagszeit ein Gebet oder einen Impuls in 140 Zeichen aufs Handy: Heute ist der offizielle Startschuss für eine Aktion der badischen Landeskirche gefallen, die genau diese Idee umsetzt. Das so genannte „Twittagsgebet“ wird unter http://www.twittagsgebet.de veröffentlicht, kann aber auch beim Internet-Kurznachrichtendienst Twitter abonniert werden[…]

Vatikan: Gott sorgt schon für neue Priester
[…]Vor der Diagnose eines Priestermangels müsse zunächst gefragt werden, „ob nicht ein Mangel an Gläubigen vorliegt, ein Mangel an Glaube, Gebet und Sinn für das Göttliche“, führte der Verantwortliche für rund 250.000 katholische Priester aus. Dies sei der „wirklich springende Punkt“, der von allen Beteiligten erkannt werden müsse. Andernfalls kämen „verkehrte Heilmittel“ zur Anwendung. Vom theologischen Standpunkt aus gesehen bestehe die Gewissheit, dass Gott es der Kirche niemals an Priestern fehlen lassen werde.[…]

Evangelikale Internet-Mission
[…]Jörg Dechert, Leiter von ERF Online, ist überzeugt davon, dass das Internet sehr gut für Mission genutzt werden kann. Skepsis dem gegenüber verglich er mit den Vorbehalten, die auch Johannes Gutenberg erfahren habe, als er eine Weinpresse dazu verwendete, mittels Bleilettern Buchstaben auf Papier zu drucken. Dechert sieht zwei Gründe für erfolgreiches Engagement von Christen im Internet. Grund eins sei die Masse an Menschen, die sich wie selbstverständlich täglich im Web bewegten. „Man muss mit der Mission da sein, wo die Menschen auch sind“, so Dechert. Den zweiten Grund formulierte er so: „Das Internet passt zur Postmoderne wie der Deckel auf den Topf“[…]

Theologe Michael Hochgeschwender zum Religiotentum in den USA
[…]In Amerika hat die Religion genau den umgekehrten Weg wie in Europa genommen: Im achtzehnten Jahrhundert gab es dort nur eine verschwindend kleine Minderheit von Angehörigen einer institutionalisierten Religion. Sieben bis zwanzig Prozent waren Angehörige einer christlichen Kirche. Um 1955 waren mehr als fünfundneunzig Prozent der Amerikaner Mitglied einer christlichen Kirche oder in einer anderen religiösen Gemeinschaft organisiert. Seither nimmt die Zahl wieder ab. Das heißt aber auch: keine Säkularisierung wie in Europa, wo es zu einem Zerbröckeln von Kirchlichkeit gekommen ist.
… Vor allem die neofundamentalistische Erweckungswelle trägt deutlich antimoderne Züge – wenn man etwa an den Darwinismus denkt. Im Bereich der Kommunikationsindustrie oder des Marktkapitalismus bleibt man weiterhin uneingeschränkt modern. Das Grundproblem der Rechts-Evangelikalen ist ihre Schizophrenie: Einserseits leben sie in einer globalisierten Ökonomie, andererseits in einer Welt, in der es Evolution nicht gibt, weil es sie nicht geben darf. Sie leben in einer Welt mit sexueller Freizügigkeit, in der Ehen zerbrechen, halten aber an dem Ideal fest, dass Familien so organisiert sein sollen wie im neunzehnten Jahrhundert oder wie in den fünfziger Jahren – und bringen das selbst in der eigenen Familie nicht auf die Reihe. Darüber zerbricht der gesellschaftliche Konsens. Diese starken Ausdifferenzierungen können kaum noch durch die Verfassung eingefangen werden[…]