Rendite mit Gott


Finanzvorstand Pater Anselm Grün Foto: David Hartfiel

Deutschlands Klöster sind vergleichsweise glimpflich durch die diversen Crashs an den Finanzmärkten gekommen. Was die geistlichen Vermögensverwalter anders machen – und was man von ihnen lernen kann. Eine Capital-Analyse.

Von Tobias Aigner Capital

Es könnte so schön sein. Schneeflocken fallen vom Himmel. Die Kirchenglocken läuten. Zwei Mönche in dunklen Kutten huschen über den Klosterhof, die Kapuzen weit ins Gesicht gezogen. Aus dem Kirchenchor tönt „Groß ist der Herr und hoch zu loben“, begleitet von einer gewaltigen Orgel. An diesem Januarabend in der Abtei Münsterschwarzach bei Würzburg scheinen Bankenmisere, Euro-Schwäche und Schuldenexzesse weit weg. So weit das Klischee.

Die Realität sieht anders aus. Der Crash an den Finanzmärkten hat auch die Klöster schwer getroffen. Münsterschwarzach ist wie viele Abteien nicht nur Ort der Kontemplation, sondern auch des Kapitals. 10 bis 12 Mio. Euro Umsatz macht der Konvent bei Würzburg im Jahr, mit Leberwurst und Ökostrom, Goldschmuck und Ratgeberliteratur. 90 Mönche, 280 Angestellte. In der Schaltzentrale des Klosterkonzerns sitzt Pater Anselm Grün, Cellerar der Gemeinschaft, sprich Finanzvorstand. „Natürlich spüren wir die Krise“, sagt er. „Schließlich legen wir unser Vermögen an den Kapitalmärkten an.“

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