Säkulare und andere Gruselmärchen


Angst war auch schon immer ein Faszinosum. Ob Katastrophen- und Horrorfilme oder Märchen, man denke nur mal an die Gebrüder Grimm und speziell an „Von einem, der auszog das Fürchten zu lernen“, jedes Genre hatte immer begeisterte Fans. Um den Gruseleffekt aufrecht zu erhalten bedarf es jedoch einer kontinuierlichen Steigerung. Auf der Ebene der bewusst wahrgenommenen Fiktion, dem Reich der nicht realen Geschichten, dürfte es sich nahezu erschöpft haben noch Neues zu bringen.

Als Novum kann man heute Verschwörungstheorien bezeichnen, die sich auf das real existierende Weltgeschehen beziehen. Was könnte schon gruseliger sein als die Befürchtung, dass man einer wirklichen Bedrohung ausgesetzt ist? Der Spielraum für entsprechende Szenarien ist unendlich groß und der Stoff dazu scheint auch nicht auszugehen. „Angst ist das deutsche Lebenselixier“, wird wohl wahr sein, wenn man sich nur mal anschaut, wie viel Verbreitung Pseudo- und Paratheorien bei uns finden.

Das Internet ist voll davon und gäbe es nicht ein gesteigertes Interesse, würde der Versand des Oberverschwörungsprotagonisten „Kopp-Verlag“ nicht täglich bei 2000 bis 2500 Büchersendungen, in Spitzenzeiten auch mal bei 3000 liegen. Zuzüglich der Leserschaft der Online-Seite, die jeden Tag unter dem Motto: „Nachrichten, die Ihnen die Augen öffnen sollen“, neue Mummenschanz-Artikel zu bieten hat.

Sein Verlag bediene eine „eher gehobene, intellektuelle Zielgruppe“, sagt Jochen Kopp, „wir verkaufen ja auch Sachbücher.“ In seiner Kundschaft stark vertreten seien Freiberufler und Selbstständige und Menschen, die sich mit Natur und Ökologie beschäftigten.

So, so, da sollte man doch echt meinen, dass es im Bürgertum eine ganz besondere Affinität gibt, sich surrealen Gruselthemen zu widmen.

Vieles, mit dem sich die angeblich intellektuellen Spinner beschäftigen, kann man getrost belächeln, der Spaß hört jedoch auf, wenn es um Gesundheit und um Volksverhetzung geht. Letzteres ist das Lieblingsgenre von Udo Ulfkotte, der sich aktuell nichts anderem widmet, als über den Islam „aufzuklären“. Was er unter Aufklärung versteht, ist natürlich primitivste Islamhetze par excellence. Aus jeder Mücke einen Elefanten zu machen, scheint seine Devise zu sein und dazu ist ihm auch jedes Mittel recht. Die Leserschaft ist begeistert, das Bildungsbürgertum lobt. Dabei muss man sich vorstellen, dass Ulfkotte sein Hasswerk „SOS Abendland – Die schleichende Islamisierung Europas“ an erster Stelle damit bewirbt, dass es fast 1000 angegebene Quellen beinhaltet, die seine Aussagen bestätigen, Inhalte die natürlich von den deutschen Massenmedien verschweigen werden. Unglücklicherweise handelt es sich bei all diesen Quellen um Online-Artikel aus Webseiten, Zeitung und Presse und nicht selten um BILD-Zeitungsniveau. Das wäre weiter nicht ganz so tragisch, gäbe es da nicht ein weiteres Buch von Ulfkotte mit dem Titel:  „So lügen Journalisten“.

Ja was nun???

Den Leser scheint es jedenfalls nicht zu tangieren und daran erkennt man gut, wie weit es mit der Intelligenz des Gebildeten her ist. Bildung schützt jedenfalls vor Dummheit nicht, sowohl beim Verfasser als auch beim Leser. Zumindest, wenn es so schön gruselt, darf doch der Verstand das genussvolle Angstgefühl nicht zerstören.

In Bezug auf den Islam funktioniert die phobische Hetze in allen Kreisen der Gesellschaft jedenfalls sehr gut. Das Schema der erläuternden Protagonisten ist auch nahezu identisch. Man nehme selektiv eine gewisse Anzahl ganz schrecklicher Vorfälle, die man dem Islam zuordnen kann, bzw. die von Muslimen begangen wurden, mische das Ganze mit geschichtlichen Hintergründen auf, eine Prise Geschichtsklitterung ist unerlässlich, abgeschmeckt wird mit grausamen Zitaten aus dem Koran und fertig ist der Einheitsbrei, der von jedem gefressen werden muss. Wem es nicht schmeckt oder wer den Fraß verweigert, der könne nur unter Geschmacksverlust leiden, blind auf beiden Augen müsse er sein, metaphorisch ausgedrückt.

Wem die Gruselfaszination fehlt, hat es heute mit diesem „Defizit“ schwer. Auch in den Reihen der Freidenker, der Säkularen und Skeptiker bleibt der Hang zum Fürchten nicht aus und fairerweise auch hier ein schönes aktuelles Beispiel aus dieser Szene zum krönenden Abschluss unserer Märchenstunde.

„Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute“

6 Comments

  1. @Epimedium

    wenn Sie sich schon so gut im Repertoire des Kopp Verlags auskennen und es auch noch verteidigen, dann sind Sie ja für alles offen. Passen Sie nur auf, dass Ihnen Ihr Hirn nicht rausfliegt. Eine weit größere Gefahr in unserer Gesellschaft stellen Leute wie Sie dar, die sich von allem beeinflussen lassen, ohne selbst zu denken und ohne jegliche Skepsis. Der Kopp Verlag verdient sein Geld mit Esoterik, Pseudowissenschaft, und reißerischen Inszenierungen, maßlosen Übertreibungen und Tatsachenverdrehungen, um etwas bringen zu können, das neu sein, bzw. eine Vertuschung aufdecken soll. Das ist Bild-Zeitungsstrategie hoch zehn und wer nicht ganz blöd ist, durchschaut die immer gleiche Masche sehr schnell. Es ist äußerst bedauerlich, dass die Zahl der Menschen stetig wächst, die darauf hereinfallen.

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  2. Dieses primitive Kopp-Bashing ist einfach nur peinlich für den Verfasser dieses Artikels, denn es zeigt, dass er sich mit den Veröffentlichungen des Kopp-Verlages gar nicht wirklich auseinandergesetzt hat, sondern nur Vorurteile kolportiert, die ihren Ursprung in einer Diffamierungskampagne der Antifa haben. Wer sich nämlich mit Ulfkottes Behauptungen auseinandersetzt kommt zwangsläufig zu dem Ergebnis, dass der Mann im wesentlichen Recht hat: Deutschland hat ein Problem mit Ausländerkriminalität, das kann jeder Polizist und jeder JVA-Beamte bestätigen. Doch das darf man natürlich nicht offen aussprechen, denn damit verstösst man gegen das Meinungsdiktat der Political Correctness. Ulfkotte und der Kopp-Verlag verstossen konsequent gegen diese Political Correctness und das ist sehr gut so! Aber Folge davon wird der Kopp-Verlag seit Jahren diffamiert und verleumdet, aber das muss man wohl in Kauf nehmen, wenn man in Deutschland heute die Wahrheit sagt!

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  3. Barbara
    Sie brauchen sich gar keine Mühe geben, es kommt sowiso schon wie ein Zunamie über diese Liberale Ideologie und Religion. Aus Profit und Machtgier lassen Vertreter dieser Ideologie gefährlichste Atomanlagen laufen, und bedrohen und schädigen die ganze Menschheit damit !
    Aus Macht und Profitgier führen Vertreter dieser gemeingefährlichen Ideologie Kriege überall und bedrohen und schädigen auch damit die gesamte Menschheit !
    Dann die Finanz und Wirtschaftskriesen, in welche Vertreter dieser gemeingefährlichen Ideologie die Menscheit nunmehr geführt haben und die auch die ganze Menschheit bedrohen und schädigen !

    Der Chauvinismus ist Vertretern und Nutzniesern dieser gemeingefährlichen Ideologie bereits vergangen, sie haben den Abgrund bereits gesehen in den sie gestoßen werden !

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  4. Ich kann an den Aussagen von Ulfkotte in diesem Video beim besten Willen nichts Hetzerisches erkennen!

    Es ist eine Schande ist, wie bei jeglicher Islamkritik gleich eine „Phobie“ unterstellt wird, auch und gerade von denen, sie sich doch eigentlich für aufklärerisch halten. Nicht merkend dass, wenn man erst einmal Kritik verbietet und mit Tabus belegt (wie es gerade der Religionskritik passiert) man damit voll in linksideologischer Gutmenschenideologie stecken bleibt.

    Doch mit dem Festhalten an eigenen Ideologien und Denkschablonen schaufelt man das Grab für Aufklärung und Humanismus ebenso wie das Verteilen von Augenbinden und das Auferlegen von Rede- (Denk)verbot Ideologien aller Art, egal ob in religiösem oder politischem Gewand geradewegs befördert, man leistet ihnen Schützenhilfe. Oder besser: man leistet sich gegenseitig Schützenhilfe, wie es Ideologien aller Art immer tun und getan haben.

    Ganz abgesehen davon, dass Ulfkotte sich in seinem Beitrag noch nicht einmal Kritik „heraus nimmt“, – er stellt in sachlichem Ton Fakten dar, unbestreitbare Fakten. Und ruft dazu auf, diese endlich zur Kenntnis zu nehmen. Wenn _das_ schon reflexhaften Aufschrei produziert, dann bestätigt das doch nur, wie dringlich sein Anliegen ist. (Und das ist unabhängig davon, was er sonst so von sich gibt und wie man persönlich zu ihm stehen mag, auch das gilt es zu trennen..)

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  5. Volle Zustimmung zu dem Artikel von Subkuttan.

    Die Revolutionen in Nordafrika richten sich aber, wenn auch von den Aufständischen nur zum Teil Bewusst, gerade gegen Neoliberalismus und Konservativismus. Die Menschen dort können und wollen nicht mehr leben von den sinkenden Billiglöhnen, welche die Ableger westlicher Firmen dort zahlen. daher die Aufstände gegen die Diktatorischen Regime, die Stadthalter westlicher „Liberaler“ und „Konservativer“ Politiker, Wirtschaftsbosse und Miliardäre sind.

    Wenn man nun deutscher Liberaler und „Humanist“ wie Müller ist, kann natürlich nicht das neoliberale Weltwirtschaftssystem schuld sein sondern nur der Islam.

    Abgesehen davon das solche Einstellungen das Gegenteil von Humanismus sind, ist das natürlich auch eine total idealistische und damit unwissenschaftliche herangehensweise.
    Es begann damit, das sich ein verzweifelter Kleinhändler in Tunesien angezündet hat. Hunger, sinkender Lebensstandart und die Wirtschaftskriesen zwingen die Menschen zum Aufstand, sie wollen und können derartiges Unrecht nicht länger hinnehmen.

    Der Islam spielt wie jede Religion höchstens eine Bremserrole als Opium für das Volk, das falls gläubig das Elend dieses Lebens leichter erträgt mit Aussicht auf Gerechtigkeit im „Paradis“ nach dem Tot.

    Im übrigen haben Müller und andere Liberale „Humanisten“ offensichtlich nichts gegen die saudischen Despoten, die auch oberste religiöse Führer dort sind.

    Die Grenzen verlaufen offensichtlich nicht zwischen „Islam“ und „Humanismus“ oder „Christentum“, die Grenzen verlaufen zwischen der weltweit Herrschenden Klasse und ihrer Neoliberalen Ideologie und Religion und den Unterdrückten Massen.
    Jedwede Religion und Ideologie ist dabei Waffe und Werkzeug der herrschenden Klassen zur Aufrechterhaltung des maroden Wirtschafts- und Machtsystemes.

    Demokratie und soziale Gerechtigkeit als Eckpfeiler des Humanismus lassen sich nur durch Materialistische und Wissenschaftliche Problemlösungen erkämpfen.

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  6. Zu dem Artikel von Andreas Müller, gab es bei Wissenrockt Kommentare mit der Frage, was derartige Ansichten bei den Jungen Humanisten zu suchen haben.

    Hier die Antwort von Müller:

    „Wissenrockt repräsentiert das humanistische Spektrum und meine Haltung ist zwar ein Randphänomen im Humanismus, aber ich stehe beileibe nicht alleine da. Ich weiß, dass ich manch anderen Humanisten auf die Nerven gehe und sie um ihren guten Ruf fürchten. Aber ich und meine Fraktion fürchten ja ebenfalls um den Ruf säkularer Humanisten und wir schämen uns wegen der linken Fraktion. Insgesamt ist es doch gut – und das war von Anfang an einer meiner Hintergedanken – wenn sich auch Liberale und Konservative bei uns zu Hause fühlen können, auch wenn sie nicht an Gott glauben. Diese feine PR-Maßnahme (abgesehen davon, dass ich natürlich auch glaube, was ich schreibe) wurde ordentlich sabotiert von vielen Humanisten, aber Sinn ergibt sie allemal.“

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