Wenn die Erinnerung trügt


S. Dali, Die Beständigkeit der Erinnerung

Erinnerungen können trügerisch sein. Wie unzuverlässig das Gedächtnis ist, haben deutsche Forscher jetzt erprobt. Ihre Versuchsteilnehmer konnten häufig aus der Erinnerung nicht sagen, ob sie eine alltägliche Handlung nur beobachtet oder tatsächlich auch durchgeführt hatten.

Von Julia BeißwengerDeutschlandfunk

Man schließe die Augen und stelle sich intensiv vor, eine Flasche zu schütteln. Diese Aufgabe bekamen Probanden des Forscherteams um Gerald Echterhoff von der Jacobs University Bremen. Zuvor hatten die Versuchspersonen verschiedene Handlungen selber ausgeführt, zum Beispiel einen Bleistift angespitzt oder ein Blatt Papier zerrissen. Eine Flasche jedoch hatte keiner geschüttelt. Zwei Wochen später waren dennoch viele überzeugt, genau das getan zu haben. Die falsche Erinnerung entstand allein aufgrund der Imagination, sagen Psychologen.

„Schon von früher Kindheit an übt man zu simulieren und zu konstruieren. Das ist das, was Kinder tun, wenn sie spielen, wenn sie so tun, als ob. Die Konstruktivität unseres Geistes ermöglicht uns wahrnehmungsnahe Vorstellungen. Wenn wir das machen, dann wird es für uns schwierig, das wirklich Ausgeführte von dem bloß Vorgestellten zu unterscheiden, und wir verwechseln die Quellen aufgrund der hohen Überlappung der Merkmale.“

Die Wissenschaftler wollten diesen bekannten Effekt genauer untersuchen. Gibt es zum Beispiel Menschen, die glauben, sie hätten eine Flasche geschüttelt, weil sie die Aussage „Flasche schütteln“ zuvor gelesen haben? Nein, ergaben die Experimente. Doch fanden die Forscher einen anderen Effekt, der sie überraschte. Sie zeigten einer Gruppe von Probanden ein Video, auf dem ein Mann oder eine Frau zum Beispiel ein Feuerzeug betätigt oder einen Bleistift anspitzt. Auch die Zuschauer des Videos hatten zuvor selber andere einfache Handlungen im Labor durchgeführt. Echterhoff:

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