Christlicher Medienverbund(kep): Religiöser Müll im Kino


Bild: brightsblog

Das Kino ist voll. Ein ausgezeichneter Film ist angesagt, ich habe mich die ganze Woche darauf gefreut, etwas Futter für den Kopf gepaart mit Unterhaltung und Entspannung. Werbung läuft, interessiert die Menschen jedoch kaum, ab und zu etwas Gelächter über die Gags, sonst spannende Erwartung auf den Hauptfilm.

Plötzlich, ein göttllicher „Heiratsantrag“. Der christlich souveräne Gott teilt mir mit, dass er mich liebe. Scheiße aber auch, hab ich nicht bestellt, es gibt kein Entrinnen, dieser religiöse Mist dauert 45 Sekunden, die mir nachhaltig den Abend versauen.

Was bildet sich dieser Kinobetreiber eigentlich ein? Ich bezahle auch noch die intellektuelle Geiselhaft in die er mich doch glatt nimmt. Abend versaut, Vorfreude dahin, ich gehe. Wer seine obskuranten Botschaften unters Volk bringen will, wird mich nicht mehr in seinen Räumen sehen, zumal er mir keine Wahl lässt.

So ähnlich könnte es in den nächsten Wochen laufen.

Fröhlich verkündet der Geschäftsführer der evangelikalen Taliban, Christlicher Medienverbund KEP e.V (Konferenz Evangelikaler Publizisten), Wolfgang Baake in einem Bettelbrief, dass man mit einer befreundeten Agentur eine Aktion entwickelt habe, die hervorragend sei, weil gerade junge Menschen mit der Botschaft von der Liebe Gottes angesprochen werden. Die Initiatorin Eva Jung schreibt dazu:

„Vor einiger Zeit gab es die Idee eines Kinowerbespots für Gott. Aus der Idee wurde ein Skript und vor kurzem wurde daraus ein fertig gedrehter Film. Ein sehr charmanter Kinowerbespot mit dem Inhalt: `Gott ist bis über beide Ohren verliebt. In Dich!`“

Die dazugehörige Webseite ist fertig und unter http://www.gottspricht.com zu finden. Besagter Film ist dort aber noch nicht zu sehen, weil laut Baake der Plot erst in den Kinos gezeigt werden muss. Also, Film und Webseite sind produziert und die entsprechenden Finanzen stehen parat.

Rührig wie die Gottes-Blagen sind haben sie auch schon eine Liste aller Kinos in Deutschland erstellt, die bereit sind den Müll zu zeigen. Die Püfstelle hat den Sozialrabatt in Höhe von 50% der Schaltkosten bestätigt.

Die Kosten für eine Schaltung werden im Bettelbrief anhand einer Beispielrechnung erläutert.

Für 3.500,- Euro könnte man in Hamburg in 4 Wochen im April/Mai(besonders günstige Zeit) ca. 55.000 Menschen erreichen! Für Gelsenkirchen würde die Schaltung hingegen nur 381,-Euro kosten, weil man dort nur über zwei Kinos mit Digitalausstrahlung verfügt. In anderen Städten belaufen sich die Schaltkosten pro Kino im Schnitt auf ca. 175,-Euro. Wenn alle Kinosäle bedient würden, die in Deutschland vorhanden sind, müssten wir ca. 202.000,-Euro zur Verfügung stellen. Das ist unser großer Traum und unser Ziel. Wir wären so glücklich, wenn wir über die vielen Freunde und Förderer des christlichen Medienverbundes Menschen finden würden, die bereit sind, die Schaltkosten für ihre jeweilige Heimatstadt zu übernehmen….

Ok, wenn die christlichen Taliban meinen so eine irrationale Soße zu finanzieren, ihre Sache. Es ist aber dann nicht mehr ihre Sache, wenn offenkundig in Kinos missioniert wird und die verantwortlichen Betreiber der Film-Theater auch noch Unterstützung für den Dreck gewähren. Wenn ich ins Kino gehe muss ich nicht damit rechnen Herzi-Jesulein-Geschichten zu sehen. Im Fernsehen zappe ich weiter, im Kino kann ich das nicht. In meinen Augen eine unsägliche, religiöse Erpressung.

7 Comments

  1. Jesus ist längst tot und Gott und ein Jenseits gibt es nicht. Im übrigen sind die Kirchen leer, deshalb vervolgen die Religiösen die Menschen in Kinos, Internet und wo sie ihre Freizeit verbringen.

    Es ist auch eine täuschung der Zuschauer die einen Film sehen wollen und dann weltanschaulich absurdes vorgeführt bekommen, was sie nicht sehen wollen. Man zahlt ja schließlich eintritt, wer dann Religion verkauft muß das auch deutlich machen und nicht mit Schleichwerbung arbeiten.

    Liken

  2. Hallo Ihr Lieben,

    laut der Bibel soll jeder Mensch die Möglichkeit haben, Gottes Erlösungsangebot – möglich durch Jesu stellvertretenden Tod – kennen zu lernen. Dass Du wütend wirst zeigt doch nur, dass der Film etwas mit Dir macht. Wenn jemand anderer Recht hat, dann sträubt sich der Mensch dagegen. Dass Gott Dich liebt ist eine Tatsache! Dass Du es nicht glauben WILLST könnte Dir in der Ewigkeit Schwierigkeiten bereiten. Jesus liebt Dich, und ich bete für Dich dass Du ihn kennen lernen wirst!

    Liken

  3. Sehr interessant! Bisher hat niemand den Film gesehen, oder? Aus Deinen beiden Zitaten erschließt sich mir kein direkter Zusammenhang mit Deiner Hähme. Was steht also zwischen den Zitaten und Deiner Rezension? Ein Weltbild? Kein sehr differenziertes muß man folgern. Abgesehen davon, dass die Rezension nicht haltbar ist: Nach Aussagen der Filmemacher kommt anscheinend die Person Jesus nicht im Film vor, wohl aber in Deiner Vorab – Bewertung. Ganz abgesehen davon, dass im deutschen Sprachgebrauch das Wort ,,Liebe´´ mehrere grundlegende Bedeutungen hat, deren differenzierte Bedeutung sowohl in Deinem Artikel, aber auch in den bisherigen Kommentaren keine Beachtung findet… Um welche ,,Liebe´´ es wohl in dem Film wirklich geht?
    Fazit: Wenn man nichts genaues weiß, dann ist Wut im Bauch ein schlechter Autor…

    Liken

  4. Die Aktion sehe ich ausnahmsweise als nur halb so schlimm an, weil die Spots vermutlich auf einer Anwiderungsschwelle mit der Zigarettenwerbung stehen. Vorausgesetzt also, es wird dafür ein Krebsstabspot weniger gezeigt, wäre ich zumindest nicht mehr genervt als sonst auch.

    Liken

  5. Vielen Dank, nickpol für den Anti-Kino-Tipp ! In früheren Zeiten war ich noch ein regelmäßiger Kinogänger. Um aber den Scientologen Tom Cruise und John Travolta auch in der Film-Vorschau nicht mehr auf der Leinwand begegnen zu müssen, tendierte die Zahl meiner Kinobesuche bereits gegen Null. Diese beiden Heinis stehen nämlich schon seit Jahren auf meiner Boykottliste. Ich werde also meinen Kino-Boykott total ausweiten, weil ich mir von Religioten nicht das Kino-Vergnügen versauen lassen möchte.

    Ich habe aber noch ein ganz anderes Problem. Ich fahre öfter mal mit der S-Bahn und werde dabei häufig mit Werbung auf den Scheiben konfrontiert, die mir sagen, dass Jesus auch mich liebe ! Da ich aber heterosexuell gepolt bin, stört mich diese sexuelle Anmache doch sehr. Sexuelle Belästigung in der S-Bahn kann aber in dieser Form leider nicht strafrechtlich belangt werden. Ich muß diese Werbung somit ertragen, weil die Alternative ja wäre, dass ich künftig stundelang zu Fuß unterwegs sein müßte !

    Liken

Kommentare sind geschlossen.