Moderner Islam möglich


Libysche Rebellen gestern auf einem eroberten Panzer in Benghazi: Soziale Proteste ermöglichen neue Sicht auf die Religion, Foto ©AP

Kleine Zeitung

MOUHANAD KHORCHIDE: Die Menschen haben protestiert gegen die sozialen Missstände in ihren Ländern. Diese Proteste waren nicht in erster Linie religiös motiviert. Aber die Menschen haben jetzt gesehen, dass es sinnvoll ist, um ihre Rechte zu kämpfen. Ich hoffe, dass sie diese Erfahrung auch auf ihr religiöses Leben übertragen.

Gibt es in diesen Ländern Strömungen, die sich etwa für eine Trennung von Staat und Religion starkmachen?

KHORCHIDE: Das Problem in den islamischen Ländern ist weniger, dass dort die Religionsgemeinschaften die Politik bestimmen, sondern genau umgekehrt: Die Politik versucht, die Religion zu vereinnahmen, um Diktaturen religiös zu legitimieren.

Und das wird sich nun zusehends ändern?

KHORCHIDE: Ja. Es wird nicht mehr gehen, dass die Politik die Religion instrumentalisiert. Die Proteste, die als Sozialproteste begonnen haben, werden auch die religiöse Interpretation des Islam verändern. Aber wir benötigen in den islamischen Ländern nicht die Befreiung der Politik von der Religion, wie das in Mitteleuropa war, sondern die Befreiung der Religion von der Politik.

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1 Comment

  1. An einen modernen Islam glaube ich dann, wenn die Frauen nicht mehr gezwungen werden Burkas und Kopftücher zu tragen, ungehindert Schulen und Universitäten besuchen dürfen und nicht mehr der Willkür der Männer (z.B. bei einer Scheidung) unterliegen. Wenn dann nach Verwirklichung dieser Mindestanforderungen ein großes Fest bei den Muslimen gefeiert wird, bei dem es auch Schweinebraten zu essen gibt, dann ist für mich der moderne Islam (beinahe) schon verwirklicht. Aber erst dann; vorher leider nicht !

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