„Religiöse Symbole gehören in die Öffentlichkeit“


Quelle: transcript-verlag.de

„Religiöse Symbole gehören in die Öffentlichkeit“, findet der UN-Sonderberichterstatter für Religionsfreiheit, Heiner Bielefeldt. Am Sonntag sprach er im Berliner Rathaus über Grenzen und Chancen der Religionsfreiheit und erklärte, warum selbst Mohammed-Karikaturen nicht verboten werden dürften.

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Wir leben in einer Zeit, die neue Chancen für die Religionsfreiheit weltweit bietet, findet Bielefeldt im Hinblick auf die Ereignisse in Nordafrika. Dass das Menschenrecht in nahezu allen Teilen der Welt wenn überhaupt nur eingeschränkt gewährt wird, mahnte er trotz seines Optimismus an. Staaten täten sich oft schwer mit dem Balanceakt, einerseits neutral sein zu müssen und andererseits verpflichtet zu sein, Ausdrucksmöglichkeiten religiöser Überzeugung auch in der Öffentlichkeit zu schützen. Zum jüngsten Urteil des Europäischen Gerichtshofs über Kruzifixe in Schulen erklärte er, religiöse Symbole gehörten eindeutig in die Öffentlichkeit, das sei Teil der Religionsfreiheit. Andererseits dürfe der Staat aber niemals eine Pflicht zur religiösen Symbolik ausrufen. In Italien, aber auch in Bayern, war das Aufhängen eines Kruzifix in Klassenräumen vorgeschrieben, bis Gerichte dies revidierten. Am Freitag entschied sich der EU-Gerichtshof in letzter Instanz dazu, die Kreuze in Schulen europaweit wieder zu legalisieren, nachdem sie 2009 in Italien verboten worden waren.

„Es gibt kein Recht darauf, nicht beleidigt zu werden“

Doch die Religionsfreiheit habe auch Grenzen. So müssten etwa Mohammed-Karikaturen, wie sie 2005 in Dänemark veröffentlicht wurden, legal bleiben. „Das Menschenrecht umfasst nicht das Recht, nicht beleidigt zu werden“, sagte Bielefeldt. Der Abdruck kritischer Kommentare sei von der Presse- und Informationsfreiheit geschützt. Schutzgegenstand der Religionsfreiheit sei niemals die religiöse Identität selbst, sondern die Suche nach dieser Identität. So sei auch Kritik an Religionen möglich. Religionsfreiheit „ist nicht immer ein Harmonieprojekt“, sagte Bielefeldt weiter. Aus diesen Gründen halte er auch Bestrebungen islamischer Staaten in den UN für bedenklich, die ein Diffamierungsverbot des Islam erwirken sollen. Religionsfreiheit sei immer die Freiheit aller Religionen und auch des Unglaubens. Die Politik müsse ebenso gegen Islamophobie wie gegen Christianophobie oder Atheistenphobie vorgehen. „Wir haben die Freiheit zur Sinnsuche – oder auch dazu, sie nicht zu unternehmen“, sagte der Katholik.

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2 Comments

  1. Okay, wenn religiöse Symbole in öffentlichen Gebäuden (Schulen, Unis, Behörden usw.) gezeigt werden dürfen, können sich die Religioten nicht darüber beklagen, wenn der Atheismus sich ebenfalls organisiert und gegen die religiotische Volksverdummung mehr und mehr in die Offensive geht. Gleiches Recht für alle. Und – wer Wind sät, wird Sturm ernten ! Das ist nun mal ein Naturgesetz.

    Man sollte dann allerdings festhalten, wer zuerst dem Religionsfrieden den Kampf angesagt hat. Wenn die Religion zunehmend außerhalb der eigenen vier Wände ausgeübt wird, ist dies eine Provokation, die zwangsweise Gegendruck bewirkt. Öffentliche Gebäude sind nun mal kein privater Besitz von Religioten, die offenbar der Ansicht sind, dass sie überall ihre Symbole präsentieren dürfen.

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