Herr Mixa und der Exorzismus


Pfarrer Otto M. (82) aus Kösching gab zu, dass er mehrfach Teufelsaustreibungen vorgenommen hat. Foto: AZ-Archiv

Kirche soll Nürnberger den Teufel austreiben!

Von Helmut ReisterAbendzeitung

Im Kino ist die Existenz des Teufels immer wieder ein starkes Thema. Gerade ist es US-Superstar Anthony Hopkins, der im Film „Das Ritual“ als dämonischer Teufelsaustreiber im Namen der katholischen Kirche die Zuschauer erschauern lässt. Bei dem Film stand die Realität Pate. Denn auch im 21. Jahrhundert haben Exorzisten noch immer nicht ausgedient. Der Nürnberger Heilpraktiker und Weltenbummler Klaus-Dieter L. (72), der sich von Dämonen besessen und gequält fühlt, möchte sie um jeden Preis loswerden – mit Hilfe eines kirchlichen Exorzisten. Doch ist das überhaupt möglich?

Stadtdekan Hubertus Förster, Nürnbergs katholischer Oberhirte, bleibt bei der Frage ganz gelassen. Er verweist an den Bamberger Bischof, der für diese Problemstellung zuständig sei. Im Erzbistum gibt man sich eher zugeknöpft. Immerhin verrät der Sprecher des Bistums, dass jeder Einzelfall genau geprüft und viele Voraussetzungen erfüllt sein müssen, bevor ein kirchlich beauftragter Teufelsaustreiber ans Werk gehen könne. Im Bistum Bamberg selbst, so versicherte der Kirchensprecher, gebe es allerdings keinen derartigen Spezialisten. Der südliche Teil Nürnbergs gehört zum Einzugsbereich des Bistums Eichstätt. Dort ist die Lage ungleich komplizierter. Bistumssprecher Norbert Staudt stößt ins gleiche Horn wie sein Bamberger Kollege. „Wir haben in unserem Bistum keinen Geistlichen, der vom Bischof für Exorzismen beauftragt ist“, beteuert er. Aber im Bistum Eichstätt gibt es einen im Ruhestand lebenden Geistlichen, der in der Exorzismus-Szene Deutschlands alles andere als ein unbeschriebenes Blatt ist.

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2 Comments

  1. Auszug aus einem Gesetzesentwurf zum Verbot des Exorzismus in Deutschland:

    „Der Exorzismus als religiöse Praktik der Dämonenaustreibung entspringt einer allgemeinen und besonders christlichen Geistesverirrung und gehört seit der Aufklärung verboten, unter Strafe gestellt oder – in Deutschland – wenigstens mit der Entziehung des Kirchensteuerprivilegs geahndet. Aber unter dem Deckmantel der Religionsfreiheit, der unverantwortlichen Esoterikpropaganda der neuen Medien und des Privatfernsehens im Einklang und unter der Führung des neuen Papstes Benedict XVI. scheint eher das Gegenteil und ein extremer Rückfall in das Finster-Irrationale des Mittelalters gefördert zu werden. Tatsächlich muss man feststellen, dass die Aufklärung so lange nicht verwirklicht ist, wie es theologische Fakultäten im Rahmen von staatlichen Universitäten oder Hochschulen gibt und die Kirchensteuer vom Staat eingezogen wird. “ (Zitatende)

    Spätestens seit dem Fall Anneliese Michel (geb. 1952), einer deutschen Katholikin, die am 1.7.1976 als Folge des großen Exorzismus, der von zwei kath. Priestern vollzogen wurde, an Unterernährung starb, wäre es an der Zeit gewiesen, in Deutschland ein Gesetz für ein generelles Exorzismus-Verbot einzuführen. Dies haben die Katholen bisher erfolgreich verhindert. Stattdessen bietet der Vatikan verstärkt Exorzismuskurse an und führte 2004 die erste internationale Exorzismuskonferenz in Mexiko durch, auf der beschlossen wurde, verstärkt gegen den Okkultismus vorzugehen. Im Rahmen einer Generalaudienz auf dem Petersplatz in Rom am 15. 09.2005 wandte sich Benny XVI. an die Teilnehmer des Nationalkongresses der italienischen Exorzisten und ermutigte sie dazu, „mit ihrem wertvollen Dienst an der Kirche fortzufahren”.

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