Südostbayern: Mekka der Sekten


Das Dekanat Traunstein ist, was neue religiöse Bewegungen anbetrifft, „ein ganz bunter Teppich“. Vor allem der Chiemgau spiele dabei in Bayern – neben dem Allgäu – eine Vorreiterrolle. Das sind Erkenntnisse von Diakon Rudi Forstmeier, seit 20 Jahren Beauftragter an der evangelisch-lutherischen Beratungsstelle „Neue religiöse Bewegungen“ in München. In seinem interessanten Referat vor der Dekanatssynode im Wilhelm-Löhe-Zentrum in Traunreut listete er eine ganze Reihe von Gruppierungen „auf dem Markt der Sinnarbeiter“ auf, die in der Region bekannt sind.

Von Hans EderChiemgau-online

Zunächst legte er für die Unterscheidung ein Merkmal fest: Ausschließlich die Bibel als Grundlagen haben die christlichen Kirchen und Gemeinschaften. „Angehängte Wilhelm-Löhe-Zentrum in Traunreut aus anderen Quellen“, so Forstmeier, „machen Gemeinschaften zu Sekten.“ Als ein Beispiel, wenngleich in der Region kaum wahrzunehmen, nannte der das „Universelle Leben“: Hier ist die biblische Basis durch die „Offenbarungen“ der „Prophetin“ Gabriele Wittek „ergänzt“ worden. Ähnlich verhalte es sich bei den Zeugen Jehovas, die besonders durch ihre starke Verkündigungstätigkeit auffallen, bei der so genannten „Neuapostolischen Kirche“ oder auch bei den Mormonen. Diese Sekte der „Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage“, wie sie sich selbst nennen, hat ihr bekanntes Zentrum in Salt Lake City; es gibt aber auch, wie aus den Reihen der Synodenbesucher gesagt wurde, eine kleine Gruppe mit Schwerpunkt in Neuötting. Als weitere Gruppierung mit biblischer Basis, aber zusätzlichen eigenen Elementen, nannte Referent Forstmeier die „Christengemeinschaft“, die einen Ableger in Rosenheim habe: Merkmal dieser Gruppe seien Elemente der Lehrer von Rudolf Steiner, die Mitglieder seien anthroposophisch geprägt.

Speziellen Gruppen aus der Region waren weitere Informationen von Forstmeier gewidmet. Da ist die so genannte „Gemeinschaft Wort und Geist“, die aus Niederbayern komme, aber gerade im Grenzgebiet in Richtung Salzburg stark aktiv werbend sei. Dies konnte auch Pfarrerin Lieselotte Lindner aus Berchtesgaden bestätigen: „Die gehen stark auf die Jugend zu, nehmen Kontakt zu den Familien auf.“ Ihrer Meinung sei dies eine durchaus gefährliche Gruppierung. Gemeindegründer ist der sich selber mittlerweile als „Völkerapostel“ bezeichnende Helmut Bauer aus Röhrnbach im niederbayerischen Landkreis Freyung-Grafenau.

In Trostberg gibt es das CIDA Zentrum, das die Prägung von Daniel Tracy, dem Gemeindeleiter, zum Inhalt habe. Dieser Bewegung werde ein starker Missionierungsdrang nachgesagt, ihre Mitglieder legten großen Wert auf persönliche Bekehrung ihrer Mitmenschen. „Lichtkreis Christi“ heißt eine „Neuoffenbarungs-Gruppierung“ in Übersee; diese trete laut Forstmeier nur wenig öffentlich in Erscheinung. Von den Mitgliedern wisse man nur, dass sie Beziehungen zu Menschen aufgeben, die ihren Weg nicht mitgehen wollten.

In Inzell gibt es einen Kreis um den als „Guru von nebenan“ (FAZ) bezeichneten Gottfried Bresink, der durch den Selbstmord einer Anhängerin in die Schlagzeilen geraten ist. Bresink bietet, wie die FAZ schrieb, „Lebenshilfe an und verspricht seinen Anhängern Heilung, Wahrheit und Liebe“. Dekan Gottfried Stritar bestätigte solche Informationen: Es gebe bei dieser Gruppe „eine guruhafte Abhängigkeit von einer Person“. Und gerade das Diakonische Werk hat damit insofern einen Berührungspunkt, als Mitglieder dieser Bresink-Gruppe bei der Diakonie arbeiten. Arbeitsrechtlich könne man nichts dagegen tun, meinte Diakonie-Abteilungsleiter Robert Münderlein, weil diese Mitarbeiter zugleich Mitglieder der Kirche sind. Auch wenn es dadurch eine ungute öffentliche Wirkung gebe.

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3 Comments

  1. Guten Tag, Herr Schenk!

    Auch ich habe meine Frau Doris an Herrn Bresink verloren und wir sind 2009 nach 24 glücklichen Ehejahren geschieden worden. Wenn ich die jetzt vorliegenden Berichte und Fotos sehe, kommt mir alles wieder hoch und es belastet mich trotz neuem Eheglücks immer noch, meine Ex-Frau selig lächelnd an der Seite dieses Dreckskerls zu sehen.
    Vor einiger Zeit ist die Redakteurin von SternTV an mich herangetreten und hat mir noch einige Details aus der Gruppe mitgeteilt – es soll bei Bedarf noch eine weitere Sendung geben und sie hat mich in diesem Fall um ein Interview gebeten.

    Vielleicht haben Sie Interesse an einem Gespräch – ich muss das alles endlich verarbeiten und es wäre mir noch nach Jahren ein Vergnügen, diesem Scharlatan endlich das Handwerk zu legen.

    Grüße Hans Schmitz
    expos@gmx.net

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  2. Ich bin selber bis 12/2007 (9 Monate lang) in der Sekte Bresnik „Ein Weg ins Licht“ gewesen, um meine jetzt Exfrau dort herauszuholen, aber leider ohne Erfolg. Unsere Ehe wurde nach 21 Jahren geschieden. Drei unserer vier Kinder leben jetzt bei mir, mein jüngster wollte bei seiner Mutter in Inzell bleiben. Wir sind nur eine von vielen Familien die durch Bresnik zerstört wurden. Auch finanziell langte der Guru richtig hin. Er hat keinen Skrupel davor die einzelnen Teilnehmer aufzufordern einen Kredit für seine göttliche Arbeit aufzunehmen oder man sol lsich den Dispo erhöhen zulassen. Seine Arbeit hat die Aufgabe die Macht über jeden einzelen zubekommen, wobei im Vordergrund steht, den einzelnen aus seiner Vergangenheit sprich Familie, Umfeld etc. herauszubekommen. Da es sich bei diesen Menschen in den meisten Fällen um Menschen mit psychischen(z.B.labil) Defiziten handelt bzw. die sich in ihrem damaligen Umfeld recht umwohl gefühlt haben wird ihm die Arbeit oft sehr leicht gemacht. Er verspricht von Anfang an das Paradies auf Erden. Wer Definite hat
    fühlt sich schnell in dieser Gruppe wohl und familiär. Alles ist so leicht so einfach. Für mich waren die 3 x täglichen Meditaionen eine Qual, ich mussste mich sehr anstrengen um nicht in seinen Sorg der phantasie Welt mit hinein zurutschen. Meine Ex hat nach 4 jahren Meditaion den Kontakt zu den 3 Kindern so gut wie eingestellt. Ihre „neue Familöie interessiert sie mehr“.

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