Esoterik-Guru Rüdiger Dahlke und sein neuster Fasten-Bullshit


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Die Fastenzeit steht für stille Einkehr und Enthaltsamkeit. So will es die christliche Tradition. Doch auch ohne diesen Hintergrund nutzen Menschen die Wochen zwischen Aschermittwoch und Ostern für ihre persönliche Art des Verzichts. Hanno Müller sprach darüber mit dem Fastenarzt Ruediger Dahlke.

Von Hanno MüllerTLZ.de

Wieder ein Fastenbuch von Ruediger Dahlke – wieso sollte es jemand, der es schon mit Ihrem „Großen Buch vom Fasten“ nicht auf die Reihe bekommen hat, es nun mit dem 7-Tage-Programm schaffen?

Im großen Buch stecken Erfahrungen aus 30 Jahren Fasten, entsprechend dick ist es geworden. Mein „7-Tage-Programm“ passt in jede Jacken- oder Schürzentasche, ist schnell gelesen und kostet weniger. Da gibt es nun wirklich keine Ausreden mehr.

Richtiges Fasten schlösse eine Änderung alter Gewohnheiten ein. Danach sollte es keiner Fastenzeit mehr bedürfen.

Ich lebe seit 40 Jahren vegetarisch, seit einem Jahr sogar veganisch. Trotzdem kann man seine Ernährung immer noch verfeinern. Andere fasten gar nicht. Um jeden da abzuholen, wo er ist, braucht es verschiedene Programme.

Fasten ist immer ein Ausdruck von Unzufriedenheit, Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper, mit dem Lebenswandel, zu viel Süßem, zu viel Alkohol – wieso leben Menschen ständig mit einem schlechten Gewissen?

Dafür gibt es viele Gründe. Hektik, ein unerfüllter Job, Beziehungsprobleme. Das Bedürfnis nach mehr Zuwendung wird mit Essen kompensiert. Statt mit „süßen“ Menschen zu leben, isst man zu viel Süßes. Heute wird zu allen Zeiten gegessen, statt sich an Mahlzeiten zu halten. Man verliert den Bezug zum Hungergefühl, merkt aber immerhin, dass da was nicht stimmt. Fasten ist die selbst-, manchmal auch vom Arzt verordnete Auszeit, ein wunderschöner Urlaub, den man sich für Körper, Geist und Seele gönnt.

Sie sagen „gönnt“ – darf Fasten anstrengend sein?

Das hängt davon ab, wie fit der Organismus ist. Sind große Baustellen zu bewältigen, wird es auch mal anstrengend. Wer richtig abnehmen will, für den gehört ohnehin ein Bewegungsprogramm dazu.

Beim Fasten denken viele an Esoterik. Im „7-Tage-Programm“ gibt es für jeden Tag Empfehlungen für Körper und Geist. Wie viel Spiritualität ist nötig für die Selbsterkenntnis?

Ganz ohne die Seele geht es nicht bei der Selbsterkenntnis. Viele Fastende haben allerdings erst einmal nur ihren Körper im Auge, das Geistige kommt dann mit der Zeit und entwickelt sich. Meine Lieblingsidee beim Fasten ist, dass nicht nur der Hosenbund, sondern auch das Bewusstsein weiter wird.

Ohne Kenntnis der Urprinzipien, haben Sie mal in Erfurt gesagt, gehe gar nichts. Welche Urprinzipien wirken beim Fasten?

Das Fasten ist eng verbunden mit dem Saturninischen, also Weiblichen. Beim Fasten geht es ums Los- und Geschehenlassen. Man übergibt sich der inneren Intelligenz. Wichtig wäre es, dass man lernt, sich einzuschränken und aus der Reduzierung auf das Wesentliche ein anderes Genussempfinden zu entwickeln. Für mich ist das ein sehr weiblicher Prozess. Da geht es um Vorbeugung. Die Schulmedizin kennt meist nur Späterkennung und Reparatur.

Ein stets heißes Fastenthema ist der Jo-Jo-Effekt. Was spricht dagegen, wenn man es doch beim nächsten Fasten wieder gutmachen kann?

Das mag vielleicht bei erfahrenen Fastern funktionieren. Für Otto-Normal-Verbraucher wäre es jedoch ein gefährliches Konzept. Der würde durch den Jo-Jo-Effekt dicker als er vorher war.

Bleiben wir beim Dünner- oder Dickerwerden: Selbsterkenntnis ist das eine beim Fasten, viele machen es aber, um abzunehmen. Fastenziel verfehlt?

Verfehlt nicht, aber es ist nicht besonders effektiv. Wer ein Gewichtsproblem hat, muss das Gewichtsproblem lösen und sich Fragen stellen wie: Wo habe ich Fülle statt Erfüllung? Wo kann ich mich nicht durchsetzen und kriege stattdessen ein großes und schweres Gesäß?
Man liest ja gelegentlich vom Volkssport „Abspecken durch Fasten“. Womöglich ist ja Fasten nicht die schlechteste Diät?

Fasten ist Arbeit am Idealgewicht, innen wie außen. Von Diäten halte ich nicht viel. Ein Kollege sagte mal, Diät geht immer und funktioniert nie. Gemeint hat er, dass sich Diäten gut verkaufen lassen, aber wenig bringen, weil die Leute dabei nichts begreifen. Wenn nur der Hosenbund weiter wird, das Bewusstsein sich aber nicht verändert, wird es eine Nulldiät.

Jahr für Jahr melden sich Fastengegner zu Wort. „Fasten ist Mord“, „Fasten ist Unsinn“, das kennt man. Ist Fasten zudem in einer Welt, in der viele hungern müssen, nicht auch ein Ausdruck von – um es mit Guido Westerwelle zu sagen – spätbürgerlicher Dekadenz?

Einem Hungernden das Fasten zu empfehlen, wäre zynisch. Wir sollten dafür sorgen – und hätten die Möglichkeiten -, dass die Hungernden zu essen bekommen. Wir dagegen ersaufen im Luxus und müssen uns prophezeien lassen, dass die großen Seuchen unserer Zukunft die Fettsucht und Typ II-Diabetes sind. Für uns ist Fasten inzwischen eine Notwendigkeit, um all die Gifte in uns loszuwerden.

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3 Comments

  1. Ich faste nie, sondern esse maßvoll wenig. Das bringt die Kilos lamgsam aber sicher runter. Ob ich dabei Fleisch, vegetarisch oder grüne Marsmännchen esse, das ist vollkommen egal. In diesem Sinne ist so ein Buch nur Abzocke

    Fasten ist nichts für köperlich hart arbeitende Menschen, Die sind im Job nicht mehr zu gebrauchen. In Saudi Arabien gab es im Ramadan laufend Proleme mit den Arbeitern. Im Sommer bei 50°C Temperatur und 15% RH Feuchte braucht der Körper täglich 4 – 6 Liter Flüssigkeit an Wasser und besonders Mineralien. Wer dann bei Tageslicht nichts trinkt, der hängst wie ein nasser Sack in den Kleidern und ist zu nichts zu gebrauchen. Wer körperlich nicht gut beisammen ist, handelt sich damit nur ein Nierenleiden ein

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  2. Ich habe nichts dagegen, wenn andere Leute freiwillig fasten. Dann bleibt nämlich für mich mehr übrig !

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