Bundesinnenminister Friedrich und Islamwissenschaftler im Interview


Vor der ersten Plenarsitzung der Islamkonferenz:
Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich und Islamwissenschaftler Abdelmalik Hibaoui sind sich einig, dass ein deutscher Islam am Grundgesetz orientiert sein muss. Im Gegensatz zu Hibaoui hält Friedrich kopftuchtragende Lehrerinnen für „problematisch“.

Hans-Peter Friedrich und Abdelmalik Hibaoui im Gespräch mit Stephan DetjenDeutschlandfunk

Stephan Detjen: Das Interview der Woche im Deutschlandfunk – heute in einer besonderen Form, nämlich mit zwei Gesprächspartnern, die ich beide in unserem Hauptstadtstudio in Berlin begrüße. Zum einen der neue Bundesinnenminister. Hans-Peter Friedrich, guten Tag Herr Minister Friedrich.

Hans-Peter Friedrich: Grüß Gott.

Detjen: Und an seiner Seite Abdelmalik Hibaoui. Er ist Islamwissenschaftler, Imam in Stuttgart und Mitglied der Deutschen Islamkonferenz, also dem 2006 vom damaligen Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble gegründeten Diskussionsforum der Bundesregierung mit Vertretern der Islamischen Religion und Kultur in Deutschland. Willkommen Herr Hibaoui.

Abdelmali Hibaoui: Vielen Dank

Detjen: Herr Minister, die Islamkonferenz tritt am kommenden Dienstag zu ihrer ersten Plenarsitzung unter Ihrer Leitung zusammen. Wie werden Sie den Mitgliedern erklären, dass die Religion von vier Millionen Menschen in Deutschland nach Ihrer Auffassung nicht Teil dieses Landes ist?

Friedrich:Also ich glaube, ich kann den Mitgliedern erklären, was ich auch bei dieser Pressekonferenz, die so oft zitiert wird, gesagt habe, nämlich dass ich der Meinung bin, dass die Menschen muslimischen Glaubens, die hier in Deutschland sind, ein Teil unserer Gesellschaft sind. Und ich denke, dass es für den Innenminister Aufgabe ist, für diese Menschen da zu sein und dafür zu sorgen, dass sie in einem guten Integrationsprozess in Deutschland leben können.

Detjen:  Aber diese Pressekonferenz, die Sie ansprechen, war so zusagen Ihre erste Amtshandlung. Da haben Sie dem Bundespräsidenten widersprochen, der gesagt hatte, der Islam ist inzwischen Teil dieses Landes. Sie haben, wenn ich das richtig in Erinnerung habe, gesagt: Das lässt sich zumindest historisch nicht begründen. Also, ist der Islam nun Teil Deutschlands oder ist er es nicht?

Friedrich: Also noch mal: Für mich ist das Entscheidende, dass die Menschen hier zu dieser Gesellschaft gehören. Und das ist im Grunde auch die Aufgabe der Politik, sich damit auseinander zu setzen, wie diese Menschen integriert werden können, wie man ihnen auf dem Weg zu dieser Integration zur Seite stehen kann. Das ist das Entscheidende. Ich finde es sehr schade, dass das, was ich damals gesagt habe – was ja durchaus zwei Teile hatte -, dazu benutzt wurde, einen Keil zu treiben zwischen den Muslime und mich. Und das zeigt mir eigentlich, dass die, die mich so scharf kritisiert haben, eigentlich nur ein Ziel hatten, nämlich zu spalten und nicht zusammen zu führen. Und ich muss sagen: Ich bin dazu da, zusammenzuführen. Und ich möchte das auch bei der Islamkonferenz deutlich machen.

Detjen: Aber noch mal: Ich glaube, die Frage bewegt ja viele Menschen, und die Äußerung hat einen Nerv getroffen offenkundig. Es geht nicht nur um Muslime, die hier leben, sondern es geht um den Ausdruck von Kultur, um die Ausdrücke von Religiosität, um Werte, die eine Religion verkörpern. Deshalb geht es um den Islam. Wie ist das Verhältnis Deutschlands zum Islam?

Friedrich: Also ich finde schon, dass man auch dem deutschen Innenminister zubilligen muss, dass er darauf hinweist, dass die deutsche Kultur christlich-abendländisch geprägt ist. Also ich denke, dass das nicht zu viel verlangt ist, dass ich das auch sagen darf.

Detjen: Herr Hibaoui, Deutschland ist geschichtlich ohne Frage stärker von der christlichen Religion und Kultur geprägt als von der islamischen. Was heißt das für einen Muslim und für den Islam heute in Deutschland?

Hibaoui: Die Frage, ob der Islam Teil Deutschlands ist: Ich glaube, diese Frage hat schon der ehemalige Innenminister Herr Schäuble und auch der Nachfolger von ihm, Herr de Maizière, beantwortet. Auf jeden Fall muss jeder sehen: Seit 50 Jahren ist der Islam hier in Deutschland ein Teil der Bevölkerung, und der Islam ist somit auch inzwischen ein Teil der gewissen Vielfalt in unserem Land. Es ist aber nach wie vor ein Islam, der türkisch, arabisch, bosnischer geprägt ist. Wenn wir über einen so genannten „deutschen Islam“ reden, dann können wir das erst, glaube ich, wenn Imame, Theologen und Lehrkräfte in den Hochschulen hier ausgebildet werden, die nachher für die islamischen Gemeinden so zusagen Mitarbeiter sind und tätig werden.

Detjen: Kann es einen deutschen Islam geben – und was wäre das für ein Islam?

Hibaoui: Ich glaube, das ist ein Islam, der hier so zusagen entwickelt wird, geprägt wird von muslimischen Theologen, Imamen, Lehrkräfte und dafür islamische Studien in einer Universität sinnvoll ist. Aber ein deutscher Islam entwickelt sich hier und wächst mit Muslimen, die hier auch leben und auch weiter die Gesellschaft hier gestalten wollen. Da fallen mir so zusagen diese Institutionen – sprich islamische Theologie in den Universitäten, Imam-Ausbildung, islamischer Religionsunterricht in den Schulen – ein.

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1 Comment

  1. Ich wünsche mir recht viele kopftuchtragende Lehrerinnen, die dann in Schulzimmern unterrichten, in denen der halbnackte Jupp am Kreuz hängt ! Wau, das wäre ein Mordsspaß !

    Na, ja, wenn schon Kreuz, dann eben auch Kopftuch !

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