Katastrophen und die Höllen- und Öko-Predigten der Theologen


Quelle: blogs.ethz.ch

Fukushima, Öko-Theologen und die deutsche Höllenpredigt.
Theologische Trittbrettfahrer der Katastrophen. „Natur“ und „Schöpfung“ sind keine geeigneten Wegweiser in die Energiezukunft.

(Gastkommentar) Von Hans WinklerDie Presse

Unter den Bedingungen der modernen Medienwelt sind Zeiten großen Unglücks immer auch Zeiten großer Hysterie und vorschneller politisch-populistischer Reaktionen. Da passiert in Japan ein MAU, ein mittelgroßer anzunehmender Unfall in einem Atomkraftwerk, und im 15.000 Kilometer entfernten Deutschland werden sofort sieben Atomkraftwerke abgeschaltet.

Ein Theologe beklagt trotzdem die „Apokalypse-Blindheit“ seiner Landsleute. Anscheinend meint er, die Leute fürchteten sich immer noch zu wenig. Da wird das alte Instrument der Höllenpredigt wieder aus dem Sack gezogen, mit der die Kirche den Menschen früher Angst einzujagen pflegte. Dass die Deutschen schon das „Ende des Atomzeitalters“ einläuten, beeindruckt allerdings ihre Nachbarn wenig. Der französische Präsident sagte sofort, sein Land denke gar nicht daran, die Atomkraftwerke abzustellen, sondern werde im Gegenteil an einer weiteren Verbesserung der Sicherheitsstandards arbeiten. Schweden und Finnland haben eben die Eröffnung von Endlagerstätten bekannt gegeben.

Keine rationale Reaktion

Das sind freilich keine endgültigen Argumente für die zivile Nutzung der Atomkraft. Sie zeigen nur, dass die Panikaktionen Deutschlands und die von peinlicher moralischer Überlegenheit triefenden Debatten des österreichischen Nationalrats nicht unbedingt eine rationale Reaktion auf Fukushima sind. Es sei denn, man hielte die Franzosen nur für verantwortungslos und die Skandinavier für verblendet. Zur Stimmung in Europa trugen vor allem die selbst ernannten Experten bei, die in jeder Nachrichtensendung auf Radio und Fernsehen ihre stündliche Mutmaßung zum Besten gaben.

Eine Zeit lang musste man überhaupt den Eindruck gewinnen, nicht der Atomunfall sei durch das Erdbeben ausgelöst worden, sondern vielmehr seien Tsunami und Erdbeben eine Folge des angeblichen Super-GAUs, den es nicht gab.

Einen wahren populistischen Super-GAU lieferte allerdings der Bürgermeister von Wien, der meinte, im Unfall von Fukushima zeige „der Weltkapitalismus seine hässliche Fratze, in dem er im wahrsten Sinne des Wortes über Leichen geht“. Dass der viel größere Atomunfall von Tschernobyl im Sozialismus stattfand, geniert einen wie Michael Häupl nicht, wenn er schnell einen politischen Nebeneffekt einfangen will. Zu den ideologischen Trittbrettfahrern des Unglücks gesellen sich noch die theologischen. Früher hatten Theologen nach einem großen Unglück, wie etwa dem großen Erdbeben von Lissabon 1755, dem rund 100.000Menschen zum Opfer fielen und das die Selbstgewissheit einer ganzen Epoche erschütterte, die Theodizeefrage gestellt: Wie kann ein Gott, der uns als gütig und allmächtig vorgestellt wird, das zulassen? Wo war Gott in meinem, in unserem Leid?

Radikal zugespitzt: Wenn Gott das Leiden der Unschuldigen zulässt, ist er entweder nicht gütig, oder er kann es nicht verhindern, dann ist er nicht allmächtig.

Nach dem verheerenden Erdbeben von Haiti vor einem Jahr hat Paul Schulmeister an dieser Stelle eine sehr tiefgründige und kluge Antwort versucht. Immer offen und immer vorläufig lautet sie: Im Horizont des Juden- und Christentums ist das Leiden der Menschen auch das Leiden Gottes.

Fixiert auf das AKW-Unglück

Manche heutigen Theologen beschäftigen sich aber kaum mit dem Unglück der Opfer des Erdbebens, sie sind ganz fixiert auf das Unglück beim Atomkraftwerk Fukushima. Sie denken weniger theologisch als ideologisch. Diese Öko-Theologie hält die Beteiligung an der Anti-Atomkraft-Bewegung momentan und überhaupt für die erste Christenpflicht.

Nichts weniger als ein Leben „in Einklang mit der Schöpfung“ wird uns jetzt aufgetragen. Was mag das sein? Stehen der Skizirkus von Ischgl oder der sechste Autobahnring um Peking im Einklang mit der Schöpfung, Atomkraftwerke aber nicht? Und warum?

Ist der Staudamm von Belo Monte in Brasilien gegen die Schöpfung, die diversen Dämme und Stauseen der Vorarlberger Illwerke sind es hingegen nicht? Um die Frage noch zu verkomplizieren: Diese werden jetzt zu Pumpkraftwerken umgebaut, bei denen in der Nacht mit billigem Atomstrom aus der Schweiz das Wasser hinaufgepumpt wird, um am Tag im Hinunterstürzen „sauberen“ – und teureren – Strom für die Autofabriken und Haushalte im Großraum Stuttgart zu produzieren.

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2 Comments

  1. Mit 66 hat Herr Winkler das meiste hinter sich, da werden ihm verstrahlte Nahrung und verstrahlte Umwelt und Waren nicht mehr viel ausmachen.

    Supergaue wurden bei mehreren Reaktoren inzwischen eingeräumt, unsinnig das Winkler in seinem Kommentar von beherrschbaren Vorfällen ausgeht.

    Er redet außerdem der Fahrlässigkeit und Verantwortungslosigkeit das Wort, welche Millionen Menschen schädigt und viele weitere Millionen gefährdet. Die Stadt Kobe in Japan wurde bereits 1995 durch ein Erdbeben mit über 7,0 zerstört. Ein weit größeres Beben hatte im Pazifik bereits einen riesigen Zunamie ausgelöst. Bei Atomkraftwerken ist bei größeren Beben mit einem Supergauen zu rechnen, von der unmöglichkeit der Endlagerung und sonstigen gefahren abgesehen.

    Wer unter diesen Umständen und der numehr unkontrollierbaren Lage weiterhin dieser vollkommen überflüssigen und krimiellen Energiegewinnung das Wort redet, handelt gegen jede menschliche Vernuft.

    Die Atomkraftwerke müssen abgeschaltet und die Betreiber enteignet werden.

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  2. Wenn Religioten predigen ist der Wahnsinn meist schon vorprogrammiert.
    Stammt denn der Spruch „Macht euch die Erde untertan“ nicht auch von der Sippschaft ? Was haben die denn jetzt wieder auszusetzen? Ihre Schäfchen sind doch voll dabei. Andererseits, wenn die Dummschwätzer ausnahmsweise wirklich mal merken das sie Schei.. gebaut haben, hängen sie ihr Fähnchen einfach in den Wind, ändern ihre angsteinflößende Strategie und die ganze Herde trampelt wie eh und je treudoof und unterwürfig hinterher.

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